Entwicklungsökonomie – Grundlagen

3.1 Produktionstheoretische Grundlagen 3.2 Kapitalakkumulation 3.3 Wachstumstheorien 3.4 Kapitalgüter 3.5 Technischer Fortschritt

3.3 Wachstumstheorien

Klassische Wachstumstheorie. Smith und Ricardo

Klassische Wachstumstheorie (Adam Smith, Wohlstand der Nationen, 1776, Malthus und David Ricardo (1772-1823)

Prinzipiell sind drei Annahmen denkbar:

  1. keine Begrenzung durch Boden
  2. Annahme von Malthus (1766-1834): sämtliche Böden besitzen bis zur Verfügbarkeitsbegrenzung die gleiche Qualität
  3. Annahme von Ricardo, daß sich die Qualität des Bodens verschlechtert. (Grenzböden).

Produktionsfaktoren: Arbeit, Kapital, Boden

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N: Nahrungsmittelangebot, L: Lohn; K: Kapital.

OD stellt den unbeschränkten Expansionspfad dar. Der Malthus-Pfad OEF folgt zunächst dem unbeschränkten Pfad bis zur Verfügungsgrenze des Faktors Boden (N1).

Im System Ricardo mit sich vermindernder Bodenproduktivität wird der Expansionspfad etwa OGF sein. Das Verhältnis von Land zu Arbeit und Kapital nimmt entland des Ricardo-Pfads ständig ab.

Die Gewinne fallen wegen des zunehmenden Kapitalangebots auf Null ab, dagegen steigen die Bodenrenten. Nach einiger Zeit erreicht das Wachstum einen stationären Zustand.

Das Wachstumsmodell der Klassiker beschäftigt sich mit den Grenzen des Wachstums infolge der Knappheit des Faktors Grund und Boden. Wenn nicht mehr anbaufähiger Boden, dann Grenze für Wachstum erreicht, weil Knappheit an Nahrungsmitteln.

Die Entwicklung mündet in einen stationären Zustand. Boden wird teuerer, damit steigen die Renten. Die Löhne pendeln sich bei Existenzminimum ein. Die Gewinne und Zinsen (aus Kapital) werden null.

In der Betrachtung von Malthus und Ricardo wird der Boden zum begrenzenden Faktor des Wachstums.


Wachstum der Bevölkerung und Entwicklung

Malthussche Bevölkerungsgesetz führt zusammen mit dem Bodenertragsgesetz zu pessimistischen Prognosen über die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Die Bevölkerung hat die Tendenz, sich schneller zu vermehren (in exponentieller/geometrischer Reihe) als der Bodenertrag (in linearer/arithmetischer Reihe). Damit Armut, Überbevölkerung und Katastrophen.

Die Entwicklung Englands und der anderen IL hat diese Prognose widerlegt.

Kritik daran: Gilt nur bei konstanter Technik. In IL Steigerung der Nahrungsmittelproduktion bei gleicher Fläche (technischer Fortschritt: Mechanisierung, Dünger, Pflanzenschutz, neue ertragreichere Sorten).

 "Die Arbeitsproduktivität in der Land und Forstwirtschaft hat sich von 1960 bis 1990 versechsfacht."

Gründe: rationellere Arbeitsorganisation (z.B. ermöglicht durch größere Flächen (in 1949 betrug die durchschnittliche Betriebsgröße 8 Hektar, in 1990 18 Hektar). wachsene Kapitalintensität (mehr Maschinen), technische Fortschritt mit zunehmendem Einsatz von leistungsfähigeren Maschinen und Anlagen

 

In EL ist das hohe Bevölkerungswachstum ein Problem.

Der demographische Übergang:

So wird die europäische Bevölkerungsentwicklung der letzten 250 Jahre bezeichnet. Zunächst fällt die Sterberate, d.h. die Lebenserwartung steigt. Die Geburtenrate bleibt jedoch gleich. Dadurch steigt die Bevölkerung.

Dann steigt auch die Geburtenrate. Bevölkerung wächst schneller. Das Bevölkerungswachstum erreichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt, überstieg aber kaum 1% pro Jahr. (Auswanderungen).

Ende des 19. Jahrhunderts: Sinken der Geburtenrate. Dann wieder weitgehend stabile Bevölkerungszahl.

Empirische Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Wachstumsrate und Pro-Kopf-Einkommen haben keinen statistisch signifikanten Beweis für das Vorhandensein der Bevölkerungsfall erbracht.

Klar ist jedoch, daß bei ärmeren Entwicklungsländern sich Nahrungsmittelprobleme ungünstig auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Nahrungsmittel müssen importiert werden, zu kommerziellen Bedingungen oder als Nahrungsmittelhilfe, z.B. der EU.

 

Durchschnittliches jährliches Bevölkerungswachstum heute:

Deutschland 0,1 - 0,2

Brasilien 70-80: 2,4, 80-90: 2,0

Kenia: 3,5 - 3,6%

Hirschmann ist der Überzeugung, daß Bevölkerungsdruck positive Effekte hat, nämlich einen Anreiz zur Verbesserung der Produktionstechniken. Intensivierung der Entwicklungsanstrengungen.


Neoklassische Wachstumstheorie

Das Harrod-Domar-Modell ist ein abstraktes mathematisches Modell, kaum Erklärung von historischen Entwicklungsprozessen. Betrachtet wird eine Volkswirtschaft mit einem bestimmten Sozialprodukt und einer bestimmten Investition in einer Gleichgewichtssituation

Die Wachstumsrate ist abhängig von der Sparquote und dem Kapitalkoeffizienten. Um Wachstum zu ermöglichen, muß Sparquote gehoben oder Kapitalkoeffizent gesenkt werden. (Nohlen/Nuscheler, S. 135)

Kapitalkoeffizient: Kapitalbestand (K) / Output (Y)

Sparquote: Sparvolumen/Outputvolumen

Entscheidend ist das Sparvolumen, das dann wieder für Investitionen verwendet wird. Im Modell wird davon ausgegangen, daß Sparen = Investitionen ist.

Je größer die Sparrate ist, um so mehr kann investiert werden, um so schneller wächst der Kapitalstock, und umso schneller wächst dann die Gesamtproduktion.

Kritik an neoklassischer Wachstumstheorie