Globalisierung und Wettbewerb

4.1 Definition und Merkmale 4.2 Starker Zuwachs 4.3 Determinanten 4.4 Wissensintensive Dienstleistungen
 

4.3 Determinanten. Warum unternehmensorientierte Dienstleistungen zunehmen

Wie lassen sich die Tertiarisierungsprozesse und insbesondere die starke Zunahme unternehmensorientierter Dienstleistungen erklären? Der deutliche Zuwachs der unternehmensorientierten Dienstleistungen wird vorrangig auf die sich verändernden Bedürfnisse des industriellen Sektors zurückgeführt. Als wichtige Determinanten der Entwicklung gelten Prozesse der Globalisierung, des technologischen Wandels und des Einsatzes neuer Produktionskonzepte. Diese Trends wirken sich in besonderem Maße auf den Dienstleistungssektor aus.

Zwei Ansätze zur Erklärung:

Die Externalisierungshypothese (Welsch) oder Auslagerungsthese (Kulke) erklärt das Wachstum des Dienstleistungsbereichs dadurch, dass die Industriebetriebe bisher selbst erbrachte Dienstleistungen aus Kostengründen aus Kostengründen extern vergeben. Sie konzentrieren sich auf das Kerngeschäft und lagern alle indirekten Funktionen so weit wie möglich aus. Die Vorteile für das Unternehmen erklären sich einerseits aus den Größenvorteilen (economies of scale) und andererseits auf den Spezialisierungsvorteilen der Dienstleistungsanbieter. Die spezialisierten Dienstleister können aufgrund ihrer Kenntnisse und Ausstattungen bestimmte Aufgaben effizienter erfüllen. 
Der Gesamtzuwachs unternehmensorientierter Dienstleistungen kann damit nur zum Teil erklärt werden. Diese Ursachen spielen vor allem bei standardisierten Aufgaben mit geringerem Wissens- und Technologieanspruch eine Rolle. So werden aus Kostengründen Reinigungs-, Wartungs-, Reparatur- und Transportdienstleistungen an spezialisierte Dienstleister vergeben.

Die Innovationshypothese (Welsch) oder Interaktionsthese (Kulke) geht davon aus, dass sich durch unternehmensinterne und unternehmensexterne Veränderungen (Globalisierung, internationale Vernetzung) der Bedarf an spezialisierten Dienstleistungen erhöht. Die Interaktionen betreffen besonders wissensintensive höherwertige Bereiche, die Aufgaben erfüllen, für die ein hoher Qualifikationsgrad und Kenntnisstand erforderlich sind. Hierzu gehören Dienstleistungen aus den Bereichen Forschung/ Entwicklung, Rechts-/Unternehmensberatung, Ingenieurtätigkeit und Werbung/Marketing. Sie geben Innovationsimpulse oder qualitative „Spill-over-Effekte".
Empirische Untersuchungen dokumentieren, dass die Erzielung von qualitativen Wettbewerbsvorteilen durch höherwertige unternehmensorientierte Dienstleistungen größere Bedeutung besitzt als Kostenüberlegungen.


International operierende Firmen benötigen spezielle Dienstleistungen

Im Zuge der Globalisierung erhöht sich die Nachfrage nach höherwertigen Serviceeinrichtungen. Ein leistungsfähiger Dienstleistungssektor ist die entscheidende Voraussetzung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit (vgl. PORTER 1993). Multinationale Unternehmen benötigen zum Aufbau und zur Sicherung ihrer internationalen Beziehungen höherwertige unternehmensorientierte Dienstleistungen, z.B. spezialisierte Logistik- und Transportsysteme, weltweite Kommunikations- und Informationssysteme sowie internationale Finanztransfermöglichkeiten. Zugleich besteht ein hoher Informationsbedarf durch Unternehmens-, Rechts-, Steuer- und Standortberater. 

Technologische Veränderungen erfordern Know-how von Außen

Technologische Veränderungen sind eine zweite Determinante der Dienstleistungsentwicklungen. Zum Erhalt ihrer Konkurrenzfähigkeit müssen die Produzenten laufend ihre Produkte und Produktionsverfahren umgestalten, um sie den sich verändernden technologischen Möglichkeiten und Marktbedingungen anzupassen. 
Gleichzeitig finden massive Veränderungen in den Produktionsprozessen statt. Flexible Fertigungsverfahren zur Herstellung variantenreicher Produkte ("economies of scope") und Konzentrationen auf Kernkompetenzen ("lean production") bei gleichzeitiger Auslagerung von Aufgaben an spezialisierte Hersteller (Module) oder Dienstleister prägen die neuen Produktionsverfahren. Beide Veränderungen tragen zu einer deutlichen Nachfragesteigerung nach höherwertigen produktionsbezogenen Dienstleistungen bei, dazu gehören Betriebs- / Unternehmensberatungen ebenso wie Forschung/ Entwicklung.


Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998; Welsch, Johann: Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Welche Regionen sind die “Gewinner” der Informationsgesellschaft?, Marburg, 2000, Metropolis Verlag