Globalisierung und Wettbewerb

4.1 Definition und Merkmale 4.2 Starker Zuwachs 4.3 Determinanten 4.4 Wissensintensive Dienstleistungen
 

4.2 Der starke Zuwachs der unternehmensorientierten Dienstleistungen

Unternehmensorientierte Dienstleistungen gewinnen, gemessen am Beschäftigtenanteil und am Umsatz, immer größere Bedeutung, und auch innerhalb des Dienstleistungssektors wächst ihr Gewicht.

Dienstleistungswachstum
Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998

Diese Veränderungen drücken sich in Deutschland im Wandel der Branchenstruktur der Erwerbstätigen aus.Von 1970 bis 1996 erfuhren der primäre und sekundäre Sektor eine starke Abnahme, während der Anteil des Dienstleistungssektors deutlich anstieg. Von den Dienstleistungen verzeichneten aber die konsumentenorientierten Branchen (z.B. Handel), der öffentliche Bereich (z. B. Gebietskörperschaften, Sozialversicherungen) und die einfacheren unternehmensorientierten Branchen (z. B. Verkehr, Nachrichtenübermittlung) nur einen unterproportionalen Zuwachs.

Dienstleistungen insgesamt erreichten 1995 einen Beschäftigtenanteil von rund 70%. Dabei stagnierte die Entwicklung bei den primären Dienstleistungen (Handel-, Bürotätigkeiten, allgemeine Dienste wie Reinigen, Bewirten, Lagern, Transportieren, Sichern) in der ersten Hälfte der 90er Jahre. Bei sekundären Dienstleistungen (Forschung und Entwicklung, Organisation und Management sowie Beraten, Betreuen, Lehren, Publizieren u.a.) erhöhten sich dagegen die Beschäftigtenanteile in Westdeutschland zwischen 1986 und 1995 um gut 4%-Punkte.
Deutscher Bundestag, Stellungnahmen der Sachverständigen „Zukunft der Arbeit – Europa im globalen Wandel, 26.2.2001, S. 9f.

Unternehmensorientierte Dienstleistungen steigen stärker

Von 1970 bis 1996 hat sich die Beschäftigtenzahl der Dienstleistungen von Unternehmen und freien Berufen, welche die höherwertigen unternehmensorientierten Dienstleistungen repräsentieren, mehr als verdoppelt. Der Anstieg im Bereich Kreditinstitute/Versicherungsgewerbe war etwas geringer, was sich durch interne technologische Veränderungen erklären läßt. In jüngster Zeit trägt der Einsatz moderner Technologien auch im Dienstleistungsbereich zu Produktivitätsverbesserungen bei. Einfachere Tätigkeiten werden durch moderne Geräte (z.B. Bankautomaten statt Angestellte am Kundenschalter, PCs statt Sekretärinnen) ersetzt.

Dienstleistungen im internationalen Bereich

Weltweit verzeichnen Dienstleistungen einen starken Bedeutungszuwachs. Dies zeigt sich im Zuwachs des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs. Schätzungen für das Jahr 1995 ergaben einen Wert von ca. 1200 Mrd. US $ international ausgetauschter Dienstleistungen; dieser Betrag entspricht etwa einem Fünftel des gesamten Welthandels. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der Dienstleistungsverkehr verdreifacht, während sich der Warenhandel nur um den Faktor 2,5 erhöhte. Dabei waren unternehmensorientierte Finanz- und Kommunikationsdienstleistungen überproportional beteiligt, während klassische Bereiche wie Transport und Tourismus nur ein unterdurchschnittliches Wachstum aufzuweisen hatten.


Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998; Welsch, Johann: Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Welche Regionen sind die “Gewinner” der Informationsgesellschaft?, Marburg, 2000, Metropolis Verlag