Globalisierung und Wettbewerb

3.1 Verlagerung, Aufkäufe, Fusionen 3.2 Neue Management-Konzepte 3.3 Innovationen, Reorganisation, Kunden 3.4 Internationalisierungen 3.5 Zusammenarbeit von Unternehmen  
 

3.4 Internationalisierungsstrategien von Unternehmen zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen

Die Internationalisierung der Unternehmen, d.h. die Entwicklung von einem nationalen zu einem internationalen, multi- oder transnationalen, schließlich globalen Unternehmen, erfolgt in vielen Schritten und über einen längeren Zeitraum. Dabei werden unterschiedliche Organisationsformen gewählt.

Formen der Internationalisierung von Unternehmen
1. Handel (Exporte, Importe von Rohstoffen und Teilen, Lohnveredelung)

2. Direktinvestitionen

  • Ausländische Montagewerke. Import von Teilen und Bausätzen, ckd-(completely knocked down)-Fertigung
  • Produktion im Ausland. Beschaffung überwiegend im Ausland
  • Forschung, Entwicklung und Produktion im Ausland (vollständige Wertschöpfung)

3. Kooperation mit anderen Unternehmen im Ausland (Strategische Allianzen)

  • Ohne Kapitalbeteiligung
  • Mit Kapitalbeteiligung (Joint-venture)

4. Lizenzverträge und Franchising

5. Kredite

Kulke, Elmar (Hrs.): Wirtschaftsgeographie Deutschlands, Gotha 1998, S. 106 (modifiziert)

Bei einer Wertschöpfung in mindestens zwei Ländern wird von einem multi- oder transnationalen Unternehmen gesprochen.

Als Direktinvestition wird eine Kapitalanlage im Ausland zur Gründung, Erweiterung oder zum Erwerb von Unternehmen und Betrieben bezeichnet. Der Grund für Direktinvestitionen liegt oft in abgeschottete Märkten. Sie können häufig nur lokaler Fertigung beliefert werden, sonst kommen hohe Zölle und andere Handelshemmnisse zum Tragen. In Asien erreichen die Aufschläge (Zölle, Abgaben, Steuern) bis über 300% des Verkaufspreises. Sie lassen sich durch Produktion im Markt oder Montage von ckd-Bausätzen ("completely knocked down") teilweise umgehen. Automärkte z. B. spiegeln die Wirkungen von Marktzutrittsbeschränkungen wider.

Meist wird zunächst ein Montagebetrieb errichtet, in dem importierte Teile und Komponenten zusammengebaut werden. Durch Lizenzen können gewerbliche Schutzrechte, insbesondere Patente, genutzt werden, durch Franchise-Systeme werden Produktionsrechte, z.B. für Coca-Cola, übertragen.

Kostenunterschiede wurden als Hauptgrund für Auslandsinvestitionen und die "neue internationale Arbeitsteilung" (FRÖBEL, HEINRICHS u. KREYE 1977) angesehen. Diese Arbeitsteilung zwischen Stammbetrieben mit hochqualifizierten Arbeitskräften und hoher Wertschöpfung in den Industrieländern und Zweigbetrieben mit relativ geringen Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte in Niedriglohnländern verliert in dem Maße an Bedeutung, wie Märkte und Wissen wichtiger werden.

Große exportintensive Unternehmen sind meist in allen Triademärkten präsent (Triade: Nordamerika, Europa, Ost- und Südostasien). Bei hochwertigen Massengütern können in der Regel die Kosten für Forschung und Entwicklung nur noch bei globalem Absatz amortisiert werden. Reiner Export und eine sukzessive Erschließung der Auslandsmärkte reicht in dieser Situation nicht aus. So können gefestigte Marktpositionen der Konkurrenten nicht verhindert und die erforderlichen Produktions- und Absatzmengen nicht erreicht werden. Präsenz in Form von Produktionsanlagen wird notwendig. International tätige Unternehmen produzieren mehr und mehr dort, wo die Märkte sind. Sie versuchen, durch weitgehend eigenständige Unternehmenseinheiten und am lokalen Markt orientierte Produkte ein Höchstmaß an Marktnähe und Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen und auf allen wichtigen Märkten zum Insider (einheimischen Unternehmen) zu werden. So können protektionistische Maßnahmen umgangen und um Marktchancen, Standortvorteile, Human- und Sachkapital genutzt werden.

Gründe für Direktinvestitionen:

Zweigbetriebe
  1. Markterschließung und Marktsicherung (intensiver Wettbewerb, starke Abschottung des Marktes, Produktion in den Märkten)
  2. Wettbewerbsvorteile durch relativ niedrige Faktorkosten (Arbeitskosten, Subventionen, Sicherung von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit durch Zulieferungen)
  3. Risikostreuung (Portfolio)
Tochtergesellschaften in einem internationalen Tätigkeitsverbund (unternehmensinterne Arbeitsteilung)
  1. Globalisierungsvorteile (schnelle Reaktion auf Preis-, Nachfrage-, Kosten- und Wechselkursänderungen; schnelle Adaption von Innovationen und Anpassung an neue Entwicklungen auf den Märkten; Größenvorteile)
  2. Regionalisierungsvorteile (Marktpotential, Vorteile aus Entwicklung, Design und Fertigung in Kundennähe, Wissen, Kreativität und Know-how)
Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998, S. 107

Die Verbindung von Globalisierung und Regionalisierung ist vor allem dann vorteilhaft, wenn es wie im Maschinenbau, einer eher mittelständischen Branche, auf den einzelnen Wertschöpfungsstufen unterschiedliche Möglichkeiten zur Erreichung von Wettbewerbsvorteilen gibt, z. B. Größenvorteile in Forschung und Produktion, Regionalisierungsvorteile im Marketing. Je mehr Standorte ein Unternehmen in einen Tätigkeitsverbund integriert, um so schneller kann es auf Preis-, Nachfrage-, Kosten- und Wechselkursänderungen reagieren, Innovationen aufnehmen und Marktlücken aufspüren, Hoch- und Niedriglohnfertigung verbinden und Arbeitsplätze im Stammland durch Teileimporte sichern.

Die neuen IuK-Technologien erleichtern eine zentrale Steuerung und Koordinierung von Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb und dezentrale Wertschöpfung in weitgehend selbständigen Geschäftsfeldeinheiten, häufig mit Zentralen im Ausland.

Nach PORTER (1994) entscheiden heute die Fähigkeit, Kenntnisse und Leistungen zu verbessern,  über die Marktstellung eines Unternehmens. Kosten, Effizienz und Agglomerationsvorteile haben durch Deregulierung und Liberalisierung der Märkte und durch neue Transport- und Kommunikationstechnologien an Bedeutung verloren. Triademärkte bieten nicht nur Rohstoffe, Arbeitskräfte, Kapital, Subventionen und leistungsfähige Infrastruktur, sondern auch Wissen und Know-how. Standortvorteile und -nachteile einzelner Länder werden durch die Globalisierung und globale Oligopole relativiert.

Es gibt aber auch kostenorientierte Direktinvestitionen und Verlagerungen, z. B. ausgereifter Produkte, die kaum noch weiterentwickelt werden, und arbeitsintensiver Produkte. Sie haben meist einen Abbau von Arbeitsplätzen im Inland zur Folge. Die Richtung der Güterströme, z. B. von Osteuropa, Ost- und Südostasien nach Westeuropa, zeigt, wo Massengüter relativ arbeitsintensiv produziert werden. Bei der Wahl der Produktionsorte spielen zwar Kostenunterschiede (Faktorkosten) eine große Rolle, aber auch potentielle Wachstumsmärkte. Arbeitskostenvorteile werden allerdings oft gemindert durch Mängel der Infrastruktur und Produktqualität und durch die Bürokratie. Relativ resistent gegen eine Abwanderung sind High-Tech-Produkte sowie Produkte, die nach Kundenwünschen in Einzelfertigung oder kleinen Serien gefertigt werden.

Der Wettbewerb zwischen Ländern und Standorten wird durch die Globalisierung schärfer. Das Land, das Investoren am meisten entgegenkommt, holt Arbeitsplätze. Großbritannien, durch einen anhaltenden Strukturwandel weitgehend deindustrialisiert, wurde durch hohe Subventionen, relativ niedrige Lohnkosten und stark geschwächte Gewerkschaften zu einem attraktiven Standort für ausländische, vor allem japanische Unternehmen.

Etwa drei Viertel des Welthandels entfallen allein auf multi- und transnationale Unternehmen und etwa ein Drittel des Welthandels auf unternehmensinterne Umsätze. Die Auslandswertschöpfung wächst weit stärker als der Export.


Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998, S. 105ff.