Globalisierung und Wettbewerb

3.1 Verlagerung, Aufkäufe, Fusionen 3.2 Neue Management-Konzepte 3.3 Innovationen, Reorganisation, Kunden 3.4 Internationalisierungen 3.5 Zusammenarbeit von Unternehmen  
 

3.3 Innovationen, Veränderung der vertikalen Beziehungen zwischen Unternehmen, Nachfrage- und Kundenorientierung

Produkt- und Prozessinnovationen

Die Produktstruktur verändert sich ständig. Produkte mit neuen Technologien und Software verdrängen technologisch anspruchslosere Produkte. Innovationen erhebliche Veränderungen der Produkte und Produktionsverfahren.

Eine flexible Massenproduktion bringt Größen- und Verbundvorteile, eine Optimierung der Wertschöpfungskette Vorteile gegenüber der bisher üblichen Teiloptimierung, d. h. der Optimierung einzelner Tätigkeiten. Die Weiterentwicklung der Schlüsseltechnologien, z. B. in der Mikroelektronik, erfolgt in immer größeren Sprüngen bei immer kürzeren Innovations- und Produktlebenszyklen.

Veränderung der vertikalen Beziehungen zwischen Unternehmen

Es wird nicht nur die Kommunikation im Unternehmen verbessert, sondern auch Kommunikation mit Lieferanten und Kunden. Um die Entwicklungszeit zu verkürzen, werden Lieferanten und Kunden verstärkt und frühzeitig in die Entwicklung neuer Produkte eingebunden.

Zwischen Innovations- und Kundenorientierung besteht ein enger Zusammenhang. Die Zusammenarbeit wird mit den Lieferanten verstärkt, die technisch hochwertige Komponenten herstellen, und mit den Lieferanten aufgegeben, die nur geringwertige Teile produzieren. Die Zahl der direkten Lieferanten nimmt ab. Sie richtet sich nach der Zahl der Module und Systeme.

Durch Module sollen die Entwicklungs- und Fertigungszeiten verkürzt und Investitionen und Fertigungstiefe verringert werden. Die deutschen Automobilunternehmen hatten Anfang der 80er Jahre noch etwa 800 - 2 000 Direktlieferanten. Durch Bezug kompletter Systeme und neue Logistikkonzepte, wie just-in-time, d.h. eine produktionssynchrone Anlieferung, lassen sich die Lagerkosten reduzieren, die mit der Zahl der Produktvarianten und bei geringer Losgröße stark zunehmen.

Neuansiedlungen erfolgen heute häufig in Industrieparks nahe den Montagewerken oder auf dem Werksgelände selbst. Module werden überwiegend von den Herstellern der Endprodukte entwickelt und konstruiert, Systeme überwiegend von Lieferanten, die auch die Teilelieferanten und Subunternehmen einbinden. Während Systemlieferanten nicht beliebig ausgetauscht werden können, sind Zulieferer, standardisierte Teile und Komponenten geringer Wertschöpfung herstellen, stärker dem globalen Wettbewerb ausgesetzt.

Die Entstehung der dreistufigen Lieferantenhierarchie mit wenigen Systemlieferanten und logistischen Schnittstellen, Lieferanten von Komponenten und Lieferanten von Teilen ist verbunden mit einer Konzentrationswelle durch Käufe, Fusionen, Stillegung und Aufgabe von Unternehmen.

Nachfrage- und Kundenorientierung

Durch Tourismus, weltweiten Informationsaustausch und weltweite Werbung, z. B. von Coca-Cola, nähern sich weltweit Nachfrage- und Verbraucherpräferenzen an. Mit zunehmendem Wohlstand und zunehmender Sättigung des Marktes werden jedoch andererseits immer individuellere und bedarfsspezifischere Produkte nachgefragt. Bei Weltmarken, z. B. Mercedes-Benz, gibt es deshalb keine regionale Differenzierung, sondern eine hohe Zahl von Varianten und Typen. Regionale Produkte setzen dagegen gezielt auf regionale Präferenzen.


Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, 1998