Globalisierung und Wettbewerb

3.1 Verlagerung, Aufkäufe, Fusionen 3.2 Neue Management-Konzepte 3.3 Innovationen, Reorganisation, Kunden 3.4 Internationalisierungen 3.5 Zusammenarbeit von Unternehmen  
 

3.1 Unternehmensstrategien im Zeichen der Globalisierung

Zwei Ziele stehen im Vordergrund: Sicherung des Unternehmens und Erlangung von Wettbewerbsvorteilen. Beide Ziele können mit verschiedenen Maßnahmen erreicht werden.

Sicherung des Unternehmens und Erlangung von Wettbewerbsvorteilen durch
3.1
  • Verlagerung des gesamten Unternehmens oder von Teilen des Unternehmens
  • Veränderung der Größe des Unternehmens
  • Aufkäufe, Beteiligungen, Fusionen, Verkäufe
3.2
  • Neue Managementkonzepte
  • Konzentration auf Kerngeschäfte und Kernkompetenzen
  • Umstrukturierung des Unternehmens
  • "Verschlankung" des Unternehmens
3.3
  • Produkt- und Prozessinnovationen
  • Veränderung der vertikalen Beziehungen zwischen Unternehmen
  • Nachfrage- und Kundenorientierung
3.4
  • Internationalisierung
3.5
  • Zusammenarbeit in Netzwerken
  • Zusammenarbeit mit Konkurrenten (strategische Allianzen)
  • Virtuelle Unternehmen
 

3.1 Verlagerungen, Kapazitätsausbau, Aufkäufe, Fusionen

Unternehmen stehen eine Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung, wie sie auf veränderte Bedingungen reagieren oder wie sie neue Chancen nutzen können. Welche Option günstig ist, und welche gewählt wird, ist von der spezifischen Situation abhängig.

Verlagerung des gesamten Unternehmens und von Teilen des Unternehmens

Für Einbetriebsunternehmen ist eine Verlagerung nur selten zu machen:  Ihnen fehlen für Standortspaltung oder Verlagerung die Mittel. Nur bei erheblichen Unzulänglichkeiten werden sie den Standort aufgeben. Verlagerungen erfolgen überwiegend im Nahbereich bis etwa 50 km, d. h. so weit, wie die Agglomerationsvorteile oder Kontakte reichen.

Die Standortpersistenz großer Betriebe kann dagegen durch eine hohe Akkumulation und hohe Desinvestitionskosten erklärt werden. Eine Verlagerung solcher Betriebe ist häufig zu teuer.

Veränderungen der Größe des Unternehmens - Kapazitätsabbau und -ausbau

Innerbetriebliche Beschäftigungsveränderungen durch Abbau von Arbeitsplätzen oder Schaffung neuer Arbeitsplätze sind quantitativ weit bedeutsamer als Standortänderungen durch Neugründung, Ansiedlung oder Stilllegung.

 Aufkäufe, Beteiligungen, Fusionen, Verkäufe

Eine Übernahme oder Beteiligung zielt heute vor allem auf Wettbewerbsvorteile komplementäre Tätigkeiten, Innovationen und Synergieeffekte ab. Als Gründe für eine Übernahme oder Beteiligung werden Tätigkeiten und Märkte genannt, z.B. Software, Dienstleistungen und Technologie. Als Gründe für Fusionen die Stärkung der Marktstellung und hohe Kosten für Forschung und Entwicklung.

Von der neuen Größenordnung werden Synergieeffekte und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit erwartet. Auch wenn Fusionen häufig nur Marktanteile und keine Wachstumsimpulse bringen, gibt es einen deutlichen Trend zu größeren und sehr großen Unternehmenseinheiten und größeren Märkten. Der Weltmarkt und neue große Wirtschaftsräume zwingen zu Größe, allein oder mit Partnern.

Beispiel: Die Fusion der beiden Schweizer Chemieunternehmen Ciba-Geigy und Sandoz unter dem neuen Namen Novartis bildet ein Beispiel für eine Verschmelzung zweier etwa gleich starker Partner als Alternative zu einer teuren und riskanten Akquisitionsstrategie.

Fusionen stellen sich für das Bundeskartellamt im Zuge der Globalisierung in neuem Licht dar:
"Nicht wenige, gerade aus Kreisen der Industrie, erhoben den Vorwurf, das Bundeskartellamt habe nicht erkannt, daß im Zuge der Globalisierung die Märkte immer größer werden. Wir würden, so ging dann die Kritik weiter, immer noch nur den deutschen Markt betrachten, ohne zu beachten, daß nationale Unternehmen im Wettbewerb mit Konkurrenten aus den verschiedensten Ländern stehen, und kämen daher zwangsläufig zu falschen Schlußfolgerungen. Deswegen behandele das Bundeskartellamt deutsche Unternehmen zu streng und benachteilige sie im globalen Wettbewerb. Kurzum, manche warfen uns vor, das Bundeskartellamt habe die Globalisierung der Wirtschaft bislang nicht zur Kenntnis genommen, sie schlichtweg verschlafen. Ich halte diese Kritik natürlich für überzogen, aber für die zugrundeliegenden Sorgen habe ich durchaus ein gewisses Verständnis." Dieter Wolf, Präsident des Bundeskartellamtes, Rede am 9. Januar 1999 zum Thema Wettbewerbspolitik im Zeichen der Globalisierung in Ulm.

Quelle: Kulke, Elmar (Hrsg.), Wirtschaftsgeographie Deutschlands, S. 105ff.