Globalisierung und Wettbewerb

2.1 Verschiebungen 2.2 Standortkonkurrenz
der Regionen
2.3 Branchencluster 2.4 Symbolanalytische
Zonen
2.5. Regionale
Netzwerke
2.6 Humankapital
 

2.5 Regionale Netzwerke

Warum weisen Regionen mit ähnlichen Besonderheiten des Wissens und Könnens Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung auf?

Untersucht wurde diese Frage im Vergleich der zwei Regionen:

Beide Regionen waren in den 70er Jahren sehr erfolgreich, schlitterten dann Anfang der 80er Jahre in eine tiefgreifende Krise. Silicon Valley gelang der "turn around", während Route 128 weiter stagnierte. Worin liegen die Ursachen für diese unterschiedliche Entwicklung?

Silicon Valley

Region Route 128

  • vernetzte regionale Wirtschaftsstruktur
  • flexible Anpassungsstrategien der Hochtechnologieunternehmen
  • informelle Kommunikationsbeziehungen
  • lose verknüpfte Teamstrukturen
  • gute horizontale Kommunikation zwischen Unternehmensabteilungen sowie mit externen Zulieferern und Kunden
  • wenige integrierte Großunternehmen
  • isolierte voneinander unabhängige Firmen
  • Kultur der Geheimhaltung und Unternehmensloyalität
  • hierarchische Unternehmensstrukturen
  • zentralisierte Entscheidungen
  • Informationen fließen vorwiegend vertikal

Netzwerkstrukturen

Einzelbetrieblich geprägte Struktur

Eine Erklärung auf Grundlage von Agglomerationsvorteilen kann diese unterschiedliche Entwicklung nicht schlüssig erklären, denn Agglomerationsvorteile liegen ja in beiden Regionen vor.

Der Netzwerk-Ansatz knüpft an den komplexen institutionellen und sozialen Beziehungen an, welche zwischen den Unternehmen und der regionalen Wirtschaftsstruktur bestehen, an: Unternehmen agieren nicht als isolierte Einheiten in einem regionalen Umfeld. Sie sind vielmehr in die regionale Struktur eingebunden, wie werden einerseits durch sie beeinflusst und übern andererseits Einfluss auf diese Strukturen aus. (Welsch, S. 52).

Dimensionen regionaler Netzwerke
die örtliche Institution und die lokale Kultur private und öffentliche Einrichtungen, Wirtschaftsverbände, sonstige Institutionen
die wirtschaftliche Struktur - Grad der vertikalen Integration in der Region
- Intensität der Beziehungen zwischen Kunden, Anbietern und Wettbewerbern in der Region
die Unternehmensorganisation Grad der vertikalen und horizontalen Koordination (Zentralisation oder Dezentralisation) sowie die Zuordnung von Verantwortlichkeiten, Entscheidungs- und Weisungsbefugnissen innerhalb der Unternehmen

Keine dieser drei Dimensionen vermag die Anpassungsfähigkeit einer Region allein zu bestimmen , auch lässt sich der Stellenwert der Dimensionen im Verhältnis zueinander kaum festlegen, vielmehr sind alle drei Dimensionen eng miteinander verflochten und bestimmen in ihrer jeweils spezifischen regionalen Ausprägung die Reaktions- und Anpassungsfähigkeit der verschiedenen Regionen im Hinblick auf sich verändernde Rahmenbedingungen.

In einer Netzwerkökonomie wie dem Silicon Valley ist die Region so organisiert, dass sie sich kontinuierlich an schnell wechselnde Technologien und Märkte anpasst. Der hohe Grad an Dezentralisierung unterstützt die Wahrnehmung vielfältiger technologischer Möglichkeiten, indem Qualifikationen, Technologie und Kapital jeweils schnell neu strukturiert werden. Das Netzwerk fördert Prozesse des gemeinsamen technologiebezogenen Lernens, wodurch die Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen sowie zwischen verschiedenen Branchen abgebaut werden.

Die durch Einzelunternehmen geprägten Struktur hat sich unter den Bedingungen stabiler Märkte und eines langsamen technologischen Wandels hervorragend bewährt, da ihre führenden Anbieter von ihren Produktionsskaleneffekten und ihrer Marktmacht und Marktkontrolle profitieren. Sie wird allerdings durch sich verändernde Wettbewerbsbedingungen überfordert. Unternehmen, die in eine spezielle Ausrüstung sowie hochspezialisierte Arbeitskräfte investieren, befinden sich schnell in einer Falle. Sie sind eingesperrt in veraltete Technologien und schrumpfende Märkte, und ihre hierarchischen Strukturen begrenzen ihre Fähigkeit, sich schnell an sich wandelnde Umfeldbedingungen anpassen zu können. Ebenso behindern ihre Binnenorientierung und ihr hoher Grad an vertikaler Integration die Entwicklung einer leistungsfähigen örtlichen Infrastruktur, wodurch die Region äußerst verletzlich wird in Situationen, in denen große Unternehmen zusammenbrechen. Deshalb sind diese Regionen hinsichtlich der Produktionsflexibilität und der technologischen und wirtschaftlichen Dynamik den Netzwerk-Regionen unterlegen. (Vgl. Welsch, Johann: Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Welche Regionen sind die "Gewinner" der Informationsgesellschaft?, Marburg 2000)

 

Verwandte Begriffe und Ansätze
Agglomerationsvorteile Räumliche Konzentration von Betrieben führt zu Vorteilen. Geprägt von Alfred Weber 1909 (A.Weber, 1876 - 1963, dt. Nationalökonom). Externe Größenwirkungen: Sie können aus der Konzentration ähnlicher Tätigkeiten oder unterschiedlicher Tätigkeiten und Einrichtungen entstehen. Von Fachkräften, spezialisierten Zulieferern und Dienstleistungen und regional gebundenen, nicht handelbaren Informationen können Unternehmen einer Branche, von einem großen und differenzierten Arbeitsmarkt, einer gut ausgebauten Infrastruktur und einem breiten Dienstleistungsangebot können Unternehmen aller Branchen an dieser Standort profitieren (Kulke, S. 97). Es gibt auch Agglomerationsnachteile, z.B. hohe Arbeitskosten, überlastete Infrastruktur. - Davon unterschieden werden interne Größenwirkungen: Mit zunehmender Produktionsmenge sinken die Stückkosten (economies of scale, zunehmende Skalenerträge). Diese sind den Unternehmen intern.
Wirtschaftsformation Heinz Quasten versuchte 1970 den Ansatz der Wirtschaftsformation als methodisches Prinzip in die Industriegeographie aufzunehmen. Er definiert den Begriff "als eine regional relevant erscheinende und räumlich zugeordnete Gesellschaft von Objekten, die dadurch einander zugeordnet sind, dass sie dem zu einer einzigen Wirtschaftsform gehörenden Produktionsprozess dienen". (Thomas Reichart, Bausteine der Wirtschaftsgeographie, 1999, S. 165)
industrial districts -
Industriedistrikte
Alfred Marshall versuchte mit diesem Begriff im 19. Jahrhundert die Agglomerationsvorteile der englischen Tuchindustrie zu erklären. (A. Marshall, 1842 - 1924, brit. Nationalökonom). Als Industriedistrikte werden räumliche Konzentrationen meist kleinerer Unternehmen einer Branche in alten handwerklichen Zentren bezeichnet, die designintensive Produkte herstellen. Weitere Merkmale: hoher Exportanteil, Arbeitsteilung, Flexibilität, Verbindung von Wettbewerb und Kooperation, wodurch Produkte und Produktionsverfahren ständig verbessert werden. (Kulke, 1998, S. 123)
Funktionalstrukturen/ Funktionalregionen wirtschaftlich spezialisierte Region, die von Betrieben einer einzigen Schlüsselbranche geprägt sind. Die von einer Schlüsselbranche ausgehenden Verflechtungen nennt man "linkages". Backward linkages - zu den Zulieferern; forward linkages: zu den Abnehmern. (Thomas Reichart, 1999, S. 162)
Branchen-Cluster Wettbewerbsvorteile aufgrund einer räumlichen Konzentration von Unternehmen einer Branche (Welsch, 2000, S. 46f.)
Netzwerke Netzwerke beschreiben soziales Verhalten in Gruppen und schließen Markt- und hierarchische Beziehungen in Unternehmen ein. Sie weisen unterschiedliche Organisationsformen auf: Transaktionen mit anderen Unternehmen über Märkte, Internalisierung und Kooperation. Die Effizienz der Netzwerke lässt sich durch die Transaktionskosten der einzelnen Beziehungen messen. (Kulke, 1998, S. 110)
Kompetenzzentren bzw. Kompetenzcluster Das sind regionale oder überregionale Netzwerke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, d.h. Netzwerke von Unternehmen, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die interdisziplinär angelegt sind und sich auf bestimmte Technologiebereiche oder Problemlösungsfelder konzentrieren. Charakteristischerweise handelt sich dabei um Gebiete, auf denen Weltniveau besteht oder bald erreichbar erscheint. (BMBF, Kompetenz im globalen Wettbewerb, 1998, S. 11)
Centers of Excellence Unter Centers of Excellence werden besonders leistungsfähige Forschungseinrichtungen verstanden. Solche Zentren führen auf Zeit zur Bündelung von Forschungspotentialen und Forschungsmitteln. (BMBF, Kompetenz im globalen Wettbewerb, 1998, S. 11)
Kompetenznetzwerke Diese entstehen in der Wissenschaft durch die sowohl regionale als auch überregionale (internationale) Verbindung von wissenschaftlichen Einrichtungen; im Bereich der Wirtschaft durch Kooperationen auf allen Ebenen wirtschaftlichen Handelns (z.B. Produktion, Organisation, F+E, Marketing. Kompetenznetzwerke verbinden in diesem Sinne gleichartige Einrichtungen oder Unternehmen.  (BMBF, Kompetenz im globalen Wettbewerb, 1998, S. 11)