Globalisierung und Wettbewerb

2.1 Verschiebungen 2.2 Standortkonkurrenz
der Regionen
2.3 Branchencluster 2.4 Symbolanalytische
Zonen
2.5. Regionale
Netzwerke
2.6 Humankapital
 

2.3 Branchencluster

Die Bildung der Standortfaktoren braucht Zeit. Wertvolle immobile Produktionsfaktoren können nicht von heute auf morgen geschaffen werden. Die Ausreifungszeit von Investitionen in Bildung und Ausbildung lässt sich nur in Jahren, teilweise gar nur in Jahrzehnten messen. So braucht es lange Zeit, bis ortsansässige Unternehmen die Potentiale aufgebaut haben, in strukturell attraktive Branchen mit Weltniveau eindringen zu können. Hierunter versteht man Branchen, deren besondere Erfolgsfaktoren - zum Beispiel spezialisiertes technologisches Wissen, besondere Qualifikationen der Arbeitskräfte, exklusive Zugänge zu Vertriebskanälen, besondere Kundenbeziehungen, Markenimage etc. - gut gegen den Zugang von Konkurrenten und Imitatoren verteidigt werden können. Die historische Erfahrung zeigt zudem, dass die Erschließung solcher Produktionsbereiche in der Regel nicht einzelnen Unternehmen im Alleingang gelingt, sondern dass Branchenanhäufungen, sog. Cluster, eine unverzichtbare Plattform darstellen, damit eine solche Strategie auf Dauer erfolgreich sein und zum Aufbau eines dauerhaften Wettbewerbsvorteils führen kann.

Die Anhäufung von Unternehmen derselben und angelagerter Branchen in einer Region geschieht, weil durch die räumliche Nähe positive externe Effekte für die Unternehmen verbunden sind: wirtschaftlich bedeutsames und benötigtes Wissen kann schnell beschafft und zwischen den Unternehmen ausgetauscht werden; die Hersteller von Endprodukten können mit ihren Komponentenzulieferern zum Beispiel Produktionswissen austauschen, eine Arbeitsteilung bei der Nutzung neuen technologischen Wissens organisieren oder Qualifikationsengpässe beim Personal überwinden. Der Pool an qualifizierten Arbeitskräften wächst im Laufe der Zeit, Lern- und Spezialisierungsprozesse steigern das Produktions-Know-how in der Region und ziehen weitere branchennahe Unternehmen mit neuem Wissen von außen an. Quelle: Welsch, Johann: Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Welche Regionen sind die "Gewinner" der Informationsgesellschaft? Marburg 2000


Cluster bei Michael Porter. Nationale Wettbewerbsvorteile

Der amerikanische Wissenschaftler und Unternehmensberater Michael Porter hat anhand von zahlreichen Länder- und Branchen-Studien nachgewiesen, dass wirtschaftlich prosperierende Regionen sich auf solche Branchencluster stützen und dass sich solche Cluster erst im Laufe von Jahrzehnten herausbilden. Sie sind die Voraussetzung für langfristig orientierte, anhaltende und kumulative Investitionsprozesse in Sachkapazitäten sowie in Forschung und Entwicklung. Sie sind auch die Grundlage für die Herausbildung des erforderlichen "Humankapitals" durch dauerhafte, oft risikoreiche und langwierige Lernprozesse. Dabei ist der Ursprung solcher regionaler Branchencluster oft durch historische Ereignisse und Zufälle bedingt. So ist zum Beispiel der Ursprung der heute starken Position Bayerns in der Elektro- und Elektronikindustrie und den damit zusammenhängenden Informationsdienstleistungen in der Verlagerung der Unternehmenszentrale von Siemens in den Münchener Raum unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu suchen. Hierdurch war der Keim für die Entstehung eines regionalen Clusters an Unternehmen der Elektroindustrie und mit ihr verwandter Branchen gelegt. 

Die wettbewerbsfähigen Branchen eines Landes sind nicht gleichmäßig über die Volkswirtschaft verteilt. Durch Ballung der wettbewerbsfähigen Branchen in Clustern wird ihre Wettbewerbsfähigkeit verstärkt. Die erfolgreichen Branchen eines Landes sind im allgemeinen durch vertikale (Käufer/Lieferant) oder horizontale Beziehungen (normale Kunden, Technologie, Vertriebskanäle) verbunden.

Der Cluster wird zu einem Mittel, Vielfalt zu erhalten und Selbstspiegelung, Trägheit, Unbeweglichkeit und Absprachen unter Konkurrenten zu verhindern, die eine Aufwertung des Wettbewerbs verschleppen oder blockieren. Der Cluster steigert den Informationsfluss, erhöht die Wahrscheinlichkeit neuer Ansätze und Zugänge durch Ableger, nachgelagerte, vorgelagerte und verwandte Branchen.

In Deutschland z.B. stehen viele Cluster in Beziehung zur Chemie, der Metallverarbeitung, dem Transportwesen und dem Drucken. Das Land ist erfolgreich international erfolgreich in Fertigerzeugnissen, in Maschinen zur Herstellung der Waren, in speziellen Produktionsmitteln und oft in verwandten Dienstleistungen. (Porter, Nationale Wettbewerbsvorteile, S. 172f.)