Globalisierung und Wettbewerb

2.1 Verschiebungen 2.2 Standortkonkurrenz
der Regionen
2.3 Branchencluster 2.4 Symbolanalytische
Zonen
2.5. Regionale
Netzwerke
2.6 Humankapital
 

2.2 Verschärfte Standortkonkurrenz der Regionen

Die Veränderungen der Charakteristika bei den Produktionsfaktoren wird die Standortkonkurrenz der Regionen verschärfen.

In der Informationsgesellschaft werden die geographischen Standorte für Produktionsstätten viel freier gewählt werden können. Das liegt vor allem an der gewachsenen Mobilität der Faktoren Kapital und Technologie. Technologisches Wissen und Know-how sind nicht an bestimmte räumliche Standorte gebunden. Aufgrund der steigenden Leistungsfähigkeit und zunehmenden Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechniken verlieren gemeinsame physische Orte des Zusammenwirkens der Produktionsfaktoren an Bedeutung. Räumliche Entfernungen können zum Beispiel bei der Beschaffung benötigten technologischen Wissens ohne Zeitaufwand überbrückt werden. Auch ein Teil der hochqualifizierten Arbeitskräfte (Manager, Forscher, Entwickler) ist mobiler geworden. Nicht zuletzt müssen beim dominierenden und wachsenden Wertschöpfungssegment der Informationsgesellschaft, bei den Dienstleistungen, Herstellung und Verwendung nicht mehr wie bisher an einem gemeinsamen Ort erfolgen. Das bislang geltende Uno-actu-Prinzip wird durch die Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ausgehöhlt. Informationsdienstleistungen lassen sich erstellen, in Form von Datenspeicherung auf Datenträgern lagern und an einem anderen Ort - zur gleichen oder aber zu einer anderen Zeit - abrufen und verbrauchen.

Der Wettbewerb der Regionen wird sich in Zukunft auf die mobilen Produktionsfaktoren konzentrieren. Die Kombination von regionalen, immobilen mit den mobilen Faktoren ist die Basis für die Steigerung der regionalen Wertschöpfung und damit des Einkommens- und Beschäftigungsniveaus. Die Regionen werden deshalb versuchen, ihre Attraktivität für die mobilen Faktoren zu verbessern. Diese werden dorthin wandern, wo sie im Zusammenwirken untereinander und mit immobilen, ortsgebundenen Produktionsfaktoren das höchste wirtschaftliche Produktivitätsniveau der Wertschöpfung erzielen können. Deshalb kommt es für die Regionen als Produktionsstandorte darauf an, die Qualität ihrer komplementären, immobilen Faktorbestände zu steigern. Nur dadurch kann es ihnen gelingen, die begehrten mobilen Produktionsfaktoren an sich zu ziehen und auf Dauer zu binden.

Da die modernen Industrien der Informationsgesellschaft vor allem auf Geistes- bzw. Wissensarbeit gründen, werden sie zu solchen Standorten hingezogen, an denen informations- und wissensintensive Produktion die besten Voraussetzungen vorfindet: exzellente Forschungslandschaft, herausragende Technologieanbieter, mittel- und hochqualifizierte Arbeitskräfte, entwickelte Informations-Infrastruktur, hervorragende Umweltqualität, leistungsfähige Zulieferer von Produktkomponenten, Spitzenanbieter von produktionsorientierten Dienstleistungen usw. Diese Voraussetzungen werden nicht wie Rohstoff- oder Ölvorkommen durch natürliche Gegebenheiten bestimmt, sondern durch Leistungen der Gesellschaft. Sie können deshalb im Prinzip an fast jedem Ort der Erde geschaffen werden. Eine Vielzahl von Regionen können um diese Produktionsstandorte konkurrieren.


Quelle: Welsch, Johann: Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Welche Regionen sind die "Gewinner" der Informationsgesellschaft? Marburg 2000

Gute Noten für die Region Bonn
UMFRAGE Prognos ermittelt die Bestenliste deutscher Technologiestandorte
Ein gutes Potenzial an technologischer Leistungsfähigkeit bescheinigt das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos der Region Bonn. In einer Befragung für die Zeitschrift Wirtschaftwoche" rangiert die Region Bonn/Rhein-Sieg im ersten Drittel der Liste über technologische Leistungsfähigkeit der Regionen in Deutschland. Gut schneidet Bonn auch beim Nutzungsgrad des vorhandenen Technologiepotenzials ab: Hier liegt Bonn auf Platz 10. Es wurden alle 97 deutschen Raumordnungs-Regionen analysiert, und zwar sowohl im Hinblick auf ihre technologische Leistungsfähigkeit als auch auf die Nutzung dieses vorhandenen Technologiepotenzials. Die technologische Kapazität wird aus zwölf Indikatoren berechnet, wie etwa dem Anteil der Beschäftigten in den Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung an den Erwerbstätigen, dem Anteil der hochqualifizierten Arbeitnehmer an allen Beschäftigten in technologieorientierten Wirtschaftszweigen, der Anzahl der erteilten Patente je Million Einwohner und der Anzahl der neu gegründeten technologieorientierten Unternehmen.
Das Rheinland insgesamt schneidet bei der Studie sehr gut ab. Sie bescheinigt Bonns Nachbarregionen Köln, Düsseldorf and Aachen eine noch höhere technologische Leistungsfähigkeit als der Bundesstadt. Offensichtlich hat das Rheinland damit gegenüber dem traditionell forschungsstarken süddeutschen Raum aufgeholt.
General Anzeiger vom 23.05.2000