Globalisierung und Wettbewerb

1.1 Globali-
sierung
1.2 Information- und Kommunikation 1.3 Tertiarisierung
der Wirtschaft
1.4 Wissens-
intensivierung
1.5. Regio-
nalisierung
1.6
 

1.3 Tertiarisierung der Wirtschaftsstrukturen

Mit dem Vordringen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist eine Ausbreitung von Dienstleistungsaktivitäten verbunden. Diese durchdringen zunehmend wirtschaftliche Prozesse und Strukturen. Es findet eine Tertiarisierung" der Wirtschaft statt. Diese zeigt sich sowohl auf der Ebene der Endprodukte als auch auf der Ebene der Produktionsprozesse.

Im Bereich der Endprodukte nehmen Dienstleistungen einen wachsenden Raum ein. Die rein materielle Produktion spielt eine immer geringere Rolle für den Wert der gesamtwirtschaftlichen Produktionsleistung. Immaterielle Komponenten gewinnen an Bedeutung. Vor allem Information und Wissen werden zu immer bedeutenderen Komponenten nicht nur der Wertschöpfungsprozesse, sondern auch der Wertschöpfung in Form der hergestellten Leistungen. Der Anteil der Dienstleistungen an der Bruttowertschöpfung liegt inzwischen in allen frühindustrialisierten Ländern über 60%, in den USA sogar über 70% (siehe Tabelle). Bei den Erwerbstätigenanteilen schlägt sich das große Gewicht der Dienstleistungen sogar noch eindrucksvoller nieder.

Tabelle: Tertiarisierung bei Wertschöpfung und Beschäftigung in wichtigen OECD-Ländern 1980-1994

 

Anteil des Dienstleistungssektors

  Bruttowertschöpfung   Erwerbstätige
  1980 1994

1980-1994

1980

1994

1980-94

 

vH

Prozent-
punkte

vH

Prozent-
punkte

USA 64,5

73,0

8,5

68,0 75,2

7,2

Japan 56,0

61,3

5,3

52,2 58,2

6,0

Frankreich 60,0

69,9

9,9

57,1 67,9

10,8

Deutschland(W) 53,7

64,5

10,8

51,4 60,9

9,5

Italien 54,8

1 65,1

10,3

50,0 62,9

12,4

Großbritannien 57,4

1 68,4

4,7

60,3 69,3

9,0

Quelle: Welsch, Johann, Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Marburg 2000, S. 34.

Wichtiger noch als die wachsenden Anteile von Dienstleistungen in den gesamtwirtschaftlichen Produktpaletten ist das deutliche Vordringen tertiärer Aktivitäten in allen wirtschaftlichen Herstellungsprozessen. Wissen und Information werden aufgrund ihrer stark steigenden Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung als "vierter Produktionsfaktor" (neben Arbeit, Kapital und Boden) bezeichnet. Das gilt nicht allein im Hinblick auf den Dienstleistungssektor der Wirtschaft, sondern auch für den Industrie- und den Agrarsektor.

Das DIW hat den Umfang tertiärer Tätigkeiten für Westdeutschland genauer untersucht. Es kommt zu dem Ergebnis, dass bereits 1984 fast zwei Drittel aller Beschäftigten (65%) tertiäre Arbeiten verrichteten. Dieser Anteil stieg bis 1993 auf 73%. Interessant dabei ist, dass ein beachtlicher Teil dieser Dienstleistungstätigkeiten, nämlich 43%, nicht im Dienstleistungs-, sondern im Industriesektor verrichtet wird.

Nimmt man auf dieser Basis einen Vergleich Deutschlands mit den USA, dem "Paradeland" der Dienstleistungsgesellschaft, vor, so ergeben sich überraschenderweise kaum noch Unterschiede: Beide Länder verzeichneten 1993 einen Anteil der Dienstleistungstätigkeiten von etwas über 70%. Der entscheidende Unterschied zwischen den USA und Deutschland besteht also nicht darin, dass in Deutschland eine Lücke bei den Dienstleistungen bestünde, sondern darin, dass der Prozess des Outsourcing von Dienstleistungsfunktionen in den USA viel weiter fortgeschritten ist als hierzulande. jede Dienstleistung, welche aus dem Industriesektor ausgegliedert wird, erhöht statistisch das Gewicht des Dienstleistungssektors gegenüber der Industrie. In Deutschland werden viele Dienstleistungsfunktionen noch innerhalb der Industrieunternehmen verrichtet, weshalb der Anteil der Industriebeschäftigung verhältnismäßig groß ist und woraus sich das falsche Bild eines "zu kleinen" Dienstleistungsbereiches ergibt.

Tabelle: Tätigkeiten im westdeutschen Produzierenden Gewerbe 1984-1995 (Arithmetische Mittel der Anteile in vH)

 

1984-1989

1990-95

Primäre Tätigkeiten

0,1

0,1

Sekundäre Tätigkeiten

58,2

55,4

Tertiäre Tätigkeiten

41,7

44,5

Transportwesen

12,3

11,7

Handel

13,6

9,3

Kommunikation

2,1

0,9

Produktionsnahe Dienstleistungen

65,5

71,7

Übrige Tätigkeiten

6,7

6,5

Quelle: Welsch, Johann, Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Marburg 2000, S. 34.

Quelle: Welsch, Johann, Globalisierung, neue Technologien und regionale Qualifizierungspolitik. Marburg 2000