Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

© h.zell

6.1 Jäger und Gejagte 6.2 "In Stahlgewittern" 6.3 Sich von der Welt abwenden 6.4 Vergangenheit 
und Zukunft
6.5 ADD

 

6.5 ADD - Attention Deficit Disorder

Hallowell/Ratey beschreiben das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (attention deficit disorder) als eine Störung der Aufmerksamkeitsfunktion (Hallowell, Edward, M./Ratey, John, J.: Zwanghaft zerstreut. ADD - Die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein, Rowohlt Verlag: Hamburg 1998). „Die Aufmerksamkeitsfunktion ist auf die eine oder andere Weise mit fast allen Gehirnfunktionen verquickt. Sie steuert unser Bewusstsein, unser Wacherleben, unsere Aktionen und Reaktionen. Sie ist das Medium, in dem wir mit unserer Umgebung interagieren, ob diese Umgebung nun aus mathematischen Problemen, anderen Menschen oder den Bergen besteht, in denen wir Skilaufen.“ Halowell, Edward, M./Ratey, John, J.: S. 399

ADD zeigt sich in einer Reihe von Symptomen:

„Ein Mann hatte Probleme, mit anderen Menschen zurechtzukommen. Es war nichts Weltbewegendes, aber er spürte, daß sich die Menschen von ihm zurückzogen. Er fühlte es unter Umständen sogar im selben Moment, wo es passierte, während er mit jemandem sprach und die Unterhaltung ins Unverbindliche abglitt. Zwar spürte er, wie es passierte, konnte aber nicht sagen, womit er es auslöste. Es stellte sich heraus, daß er eine leichte Form von ADD hatte, deren gravierendstes Symptom in der Unfähigkeit zur Selbstwahrnehmung und korrekten Einschätzung der Reaktionen anderer bestand. Dadurch wirkte er ziemlich egozentrisch oder gleichgültig. Sein Problem bestand tatsächlich darin, dass er nicht in der Lage war, Aufmerksamkeit aufzubringen, die versteckten Winke wahrzunehmen, von denen der reibungslose Ablauf der sozialen Kommunikation abhängt, und seine eigenen Reaktionen zu steuern.“ (Hallowell, Edward, M.; Ratey, S. 130)

„Du bist blind für deine Umgebung - ja, blind.“
„Blind? Wie meinst du das?“
„Du siehst nicht und hörst nicht, was um dich vorgeht. Du bist ganz mit dir selbst beschäftigt und du hast keine Ahnung von den Gefühlsregungen deiner Mitmenschen.“
„Da bist du auf dem Holzweg, Henrietta. Ich möchte eher das Gegenteil behaupten.“
„Du siehst nur, worauf dein Blick fällt. Du bist wie - mein Gott, wie soll ich es erklären -, du bist wie eine Blendlaterne. Was dich interessiert liegt in strahlender Helle vor dir, aber rechts und links ist alles in Dunkelheit getaucht.“
(Agatha Christie, Das Eulenhaus, Alfred Scherz Verlag, Bern-München-Wien, 1947, S. 49)