Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

© h.zell

6.1 Jäger und Gejagte 6.2 "In Stahlgewittern" 6.3 Sich von der Welt abwenden 6.4 Vergangenheit 
und Zukunft
6.5 ADD

 

6.4 Vergangenheit – Zukunft. Positive – negative Inhalte

 

Wo befindet sich die Aufmerksamkeit?

Dargestellt sind in der Abbildung die Orte, von denen die Aufmerksamkeit ihre Inhalte holen kann. Richtet sich die Aufmerksamkeit vorwiegend auf unangenehme Dinge in der Zukunft oder in der Vergangenheit, wird das für die Person bedrückend sein. Wir werden natürlich alle an unerfreuliche Dinge in unserer Vergangenheit erinnert, wenn sich die Aufmerksamkeit jedoch nur oder vorwiegend die belastenden Inhalte ins Bewusstsein holt, kann das jede Lebenskraft lähmen.

Wie Mbiti erklärt: "Die bedeutsamste Folge dessen ist, daß nach den traditionellen Vorstellungen die Zeit eine zweidimensionale Erscheinung ist, mit einer langen Vergangenheit, einer Gegenwart und praktisch keiner Zukunft. Die lineare Vorstellung der Zeit im westlichen Denken, mit einer unbegrenzten Vergangenheit, einer Gegenwart und einer unendlichen Zukunft, ist dem afrikanischen Denken so gut wie ganz fremd. Die Zukunft ist praktisch nicht vorhanden, weil in ihr liegende Ereignisse noch nicht stattgefunden haben, sie nicht vergegenwärtigt werden können und deshalb auch nicht Zeit darstellen können. Wenn es jedoch bei künftigen Ereignissen sicher ist, daß sie stattfinden oder wenn sie in den Bereich des unausweichlichen Rhythmus der Natur fallen, stellen sie bestenfalls nur potentielle Zeit, nicht wirkliche Zeit dar. Was jetzt stattfindet, entfaltet zweifellos die Zukunft, wenn aber ein Ereignis einmal stattgefunden hat, ist es nicht mehr in der Zukunft, sondern in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Wirkliche Zeit ist also, was gegenwärtig und was vergangen ist. Sie bewegt sich rückwärts, nicht vorwärts; und die Menschen richten ihren Geist nicht auf künftige Dinge, sondern hauptsächlich auf das was stattgefunden hat." (Berger, P.L/Keller, H.: Das Unbehagen in der Moderne, Campus, Frankfurt – New York, 1975, S, 131)

Ein derartiger Zeitbegriff ist nicht auf Afrika beschränkt. Er ist zumindest in ganz Asien weit verbreitet und wurde in den großen asiatischen Zivilisationen in hochdifferenzierten philosophischen Systemen artikuliert. Wie auch die westlichen Vorstellungen von geistigen Eliten aussehen mögen-. Ein sehr ähnlicher Zeitbegriff ist in den lateinamerikanischen Kulturen tief verankert und bestimmt bis auf den heutigen Tag das soziale Lehen gehr vieler Menschen in Lateinamerika.