Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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6.1 Jäger und Gejagte 6.2 "In Stahlgewittern" 6.3 Sich von der Welt abwenden 6.4 Vergangenheit 
und Zukunft
6.5 ADD

 

6.1 Jäger und Gejagte. Aufmerksamkeit und Stress

In der Tierwelt gibt es

  1. Jäger (Raubtiere)

  2. Gejagte (Beutetiere)

  3. solche die weder jagen noch gejagt werden.

Sie unterscheiden sich in ihrem Aufmerksamkeitsverhalten.

Das Aufmerksamkeitsmuster des Jägers und des potentiellen Opfers sind in sofern ähnlich, als beide auf Bewegungen, Geräusche und Gerüche achten. Beide haben dafür bestimmte Ganzheiten vor ihrem inneren Auge: Der Löwe sieht Gazellen, Gnus etc; die Antilope sieht die Gestalt von Löwen, Leoparden, Geparden. Beide suchen ihre Umgebung ab, doch der Löwe hoffnungsvoll suchend, voller Erwartung (zumal wenn der Bauch leer ist); die Antilope beobachtet die Umgebung ängstlich. Ein Raubtier nimmt ein Geräusch in der Umgebung als Chance wahr; ein potentielles Beutetier dagegen als Gefahr. Der Reiz-Reaktions-Mechanismus ist ganz anders gepolt. Das Wild fürchtet die Gestalt, nach der sie die Landschaft absucht. Sie hat eine Negativ-Erwartung. Taucht eine solche Gestalt in der Steppe auf, erfolgt die Reaktion: Der Löwe freudig erwartungsvoll; die Gazelle ängstlich und bereit zur Flucht. Die Aufmerksamkeitshaltung des Löwen kann man als mutig, die der Antilope als ängstlich bezeichnen.

Es ist ein Kampf zwischen dem Jäger und dem Gejagten, wobei beider Aufmerksamkeit über den Ausgang der Jagd eine maßgebliche Rolle spielt.

Als dritte Variante gibt es Pflanzenfresser, also selbst nicht jagen, aber aufgrund ihrer Größe kaum Raubtierattacken zu befürchten haben, z.B. Elefanten.

Auch wir Menschen fühlen wir uns als Gejagte, mal als Jäger, mal weder gejagt noch als Jäger.

Man könnte Menschen klassifizieren danach, ob ihr Verhalten und ihre Aufmerksamkeit eher dem eines Jägers oder eher dem eines Gejagten entspricht. Oder in welchen Situationen ein Mensch eher ein Jäger und in welchen er eher sich wie ein Gejagter verhält.

Ist der Mensch von seiner biologischen Natur her eher ein Jäger oder ein Gejagter? Es ist plausibel anzunehmen, dass die Situation der frühen Menschen mehr von ihrer Rolle als Gejagter gekennzeichnet war. Denn es gab eine ganze Reihe von wilden Tierarten, denen der Mensch sich mit seinen primitiven Waffen wenig entgegenzusetzen hatte. So wird vermutet, dass sich der Säbelzahntiger vorwiegend von Menschen ernährte, weil diese für ihn leichte Beute waren. Raubtiere stellten selbst in Europa bis in das Altertum hinein ein Gefahr dar.

Für Menschen sind vier Situationen möglich: