Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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5.1 Sensitivität und Achtsamkeit 5.2 Das "leere Bewusstsein" 5.3 Selektivität und Konzentration 5.4 Flexibilität und Liquidität 5.5 Energie und Intensität

 

5.5 Energie und Intensität

Aufmerksamkeit erfordert Energie, und ein aufmerksamer Zustand führt zu körperlich-geistiger Ermüdung. Prozesse, die mit Aufmerksamkeit und Bewusstsein verbunden sind, gehen mit einer hohen Stoffwechsel und Hirndurchblutungsrate einher. (Gerhard Roth, Das Gehirn ...., S. 235). Pausen sind erforderlich.

Energie wird für zwei Dinge benötigt:

1)       für die Aufmerksamkeit, d.h. für die Steuerung

2)       für die Wahrnehmung.

Beide Prozesse hängen aber so eng zusammen, daß man hier von der Gehirnbeanspruchung her keine Unterscheidung machen kann. Es gibt energiereiche und energieschwache Aufmerksamkeit. Energieschwache Aufmerksamkeit ist träge. Wir müssen unterscheiden energiereiche/energieschwache Wahrnehmung und energiereiche/energieschwache Aufmerksamkeit.

„Ethymologisch betrachtet bedeutet Energie (gr.: en-ergon) ‚etwas, das potentiell eine Aktion (ergon) enthält. Für unsere Zwecke ist es jedoch notwendig, diese Aktion genauer zu definieren und darin nicht ausschließlich ein „positives“ Phänomen zu sehen wie die Physiker. Unter dieser Perspektive erscheint die Energie dann als Motor der Manifestation, und in diesem Sinn wollen wir auch das Schriftzeichen chí erklären. (Anders, Frieder,1996, S. 67)

Links unten (a) sehen wir die offiziellen Erläuterungen eine Getreideähre, die beim Dreschen aufplatzt und ihre Körner freigibt. Der Dampf (b), den man bei Ch´i rechts oben sieht, erinnert an etwas Immaterielles, eine Art von sublimem Lebensspender für die Welt der Manifestationen und kann sich folglich nur auf das tao beziehen.

Es liegt außerhalb der menschlichen Reichweite, das wahre Wesen der Energie zu verstehen (außer den Ausnahmebedingungen der Erleuchtung).

Adam Crane spricht davon, dass Energie die Gedanken „dicker“ macht. Mehr Energie bzw. die Energie durch Aufmerksamkeit auf ein Objekt konzentriert, macht die Wahrnehmung klarer, deutlicher, fester.

Das individuelle Energiepotential bestimmt so auch die Fähigkeit für die Aufmerksamkeit. Jeder Mensch hat so seine eigene charakteristische Stärke der Aufmerksamkeit. Diese ändert sich individuell im Laufe des Lebens oder schon über einen Tageslauf hinweg. In einem Zustand der Erschöpfung wird sie nachlassen. So lässt sich beobachten, dass nach einem Zustand hoher Konzentration ein Zustand der Entspannung gesucht wird.

Hier kommt die Grundenergie eines Menschen für die Wahrnehmung zum Ausdruck. Das hat mit Kraft zu tun, auch mit körperlichem Leistungsvermögen. Ein gleicher Konzentrationszustand (Dimension Fokus), kann trotzdem mit unterschiedlichem Wahrnehmungsvermögen verbunden sein. Dieser Unterschied würde sich dann aus ihrem unterschiedlichen Energiepotentialen erklären. Wir haben zu unterscheiden

a) das Energiepotential eines Menschen, also die Menge an Energie, die zur Verfügung steht. 

b)  wie viel Energie ein Mensch in einer konkreten Situation und zu einem gegebenen Zeitpunkt aktualisiert.

Energiepotential

Energievariationen

Der Vorrat an Energie, die ein Mensch für Wahrnehmung und Aufmerksamkeit zur Verfügung hat.

 

Welche Energie wird für die Wahrnehmung aufgebracht? Wie viel (Wahrnehmungs-) Energie bringt man in einer spezifischen Situation auf?

Wie ändert sich der tatsächliche Energieeinsatz im Zeitablauf? Von welchen Faktoren ist die Energieintensität abhängig? Motivation und Energie

Wechsel zwischen energischer Beobachtung und Ruhe