Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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5.1 Sensitivität und Achtsamkeit 5.2 Das "leere Bewusstsein" 5.3 Selektivität und Konzentration 5.4 Flexibilität und Liquidität 5.5 Energie und Intensität

 

5.3 Selektivität und Konzentration

Man kann sich selbst auffordern: „Ich will jetzt das oder jenes wollen“ oder „Ich will mich jetzt auf dieses oder jenes konzentrieren“. “Ein Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will.”  [Schoperhauer, zitiert nach: Einstein, Albert: Mein Weltbild. Hrsg. Von Carl Seelig, 27. Auflage, 2001, S. 9]. Solche Selbstaufforderungen sind meist nur begrenzt erfolgreich. Sehr schnell wandert die Aufmerksamkeit wieder vom gewählten Objekt ab und geht zu anderen Dingen. Der eigene Wille hat die Konzentration nur begrenzt unter Kontrolle, was häufig als störend empfunden wird.

Konzentration lässt sich definieren als „die Fähigkeit zum Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit über längere Zeit“ (Wolfram et. Al., 1986) .  Konzentration hat zwei Dimensionen

a) Fokus: Wie groß ist die Zahl der wahrgenommenen Objekte in einer Zeitperiode?

b) Wie lange bleibt die Aufmerksamkeit auf dieses Objekt / Objekte gerichtet?

Konzentration der Aufmerksamkeit geht mit einer erhöhten Intensität der Wahrnehmung einher. Je stärker die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Geschehen gerichtet ist, desto bewusster ist es. Eindrücke, auch solche wie Unwohlsein und Schmerz, werden aus der Wahrnehmung ausgeblendet, wenn die Konzentration auf eine Sache sehr stark ist. Andererseits kann man Schmerzen sehr stark fühlen, wenn man sich sehr auf diese konzentriert.

Der Gegenstand, auf den sich die Aufmerksamkeit richtet, gewinnt an Deutlichkeit, sowohl in kognitiver als auch in emotionaler Hinsicht. In einem konzentrierte Zustand fühlt man sich mit dem Gegenstand oder dem Geschehen verbunden, ist auch gefühlsmäßig „dabei“. Das kommt auch in körperlichen Reaktionen zum Ausdruck: Der Pulsschlag erhöht sich, die Atmung wird tiefer, etc.

Die Fähigkeit zur Konzentration ist eine psychische und physische Notwendigkeit menschlichen Lebens. Wenn es über längere Zeit nicht gelingt, die Aufmerksamkeit zu bündeln, führt dies zu Nervosität und Stresssymptomen.

Konzentration. Was sagt Csikszentmihalyi?

Mihaly Csikszentmihalyi (Kreativität, 1997) macht darauf aufmerksam, daß angesichts begrenzter individueller Aufmerksamkeit bei der stetig wachsenden Informationsflut eine Spezialisierung zwangsläufig notwendig wird. (22). 

„Da unsere Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist, müssen wir selektiv vorgehen: Wir erinnern und erkennen nur eine kleine Auswahl von Kunstwerken, wir lesen nur eine kleine Auswahl der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Normalerweise agieren die verschiedenen Felder als Filter und helfen uns, aus der Flut neuer Informationen bestimmte Meme auszuwählen, die unsre Aufmerksamkeit verdienen.“ (67)

Nachdem die kreative Energie geweckt ist, muss man sie schützen. Wir müssen Schutzwälle gegen Ablenkungen errichten und Strategien entwickeln, um äußeren Ablenkungen zu vermeiden. Wenn wir das nicht tun, kehrt die geistige Aktivität zu ihrem Grundumsatz zurück – zum vagen, unfokussierten, ständig abgelenkten Normalzustand. (499)

Für Erwachsene sei es zwar schwierig, ihre Persönlichkeit zu ändern, jedoch nicht unmöglich (510): „Wer sein Persönlichkeit verändern will, muß lernen, seine Aufmerksamkeit in neue Bahnen zu lenken. Er muss lernen, andere Dinge wahrzunehmen und sie anders wahrzunehmen.“ (511)