Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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4.1 Quellen der Wahrnehmung 4.2 Die Sinneswahrnehmung 4.3 Die Körperwahrnehmung 4.4 Die Gedächtnis-
wahrnehmung
4.5 Überblicks- und Metaaufmerksamkeit

 

4.5 Die Überblicks- und Metaaufmerksamkeit

 

Die Einzelaufmerksamkeit

Nur ein Inhalt ist im Bewusstsein

Die Überblicksaufmerksamkeit

Viele Inhalte sind nacheinander im Bewusstsein

Die Überblicksaufmerksamkeit ist als ein besonderer Operationsmodus dadurch charakterisiert, dass sie viele Inhalte gleichzeitig (oder genauer gesagt - im schnellen Wechsel) ins Bewusstsein holt. So wird  ein Überblick hergestellt und der Zusammenhang zwischen einzelnen Dingen erkannt. Die Überblicksaufmerksamkeit kontrolliert, ob die aktuelle Aufmerksamkeit im Hinblick auf die eigene Zielsetzung und Aufgabenstellung angemessen ist. Die Aufmerksamkeit wird hier sehr breit, um auch Dinge in den Blick zu bekommen, die außerhalb der aktuellen Wahrnehmung liegen.

Beispiel: Man hat Teewasser auf den Herd gesetzt. Nach fünf Minuten meldet sich die Überblicksaufmerksamkeit, holt den aufgesetzten Topf in Erinnerung und man geht zum Herd und gießt den Tee auf. Wenn nicht – dann gibt es ein Problem.

Die Überblicksaufmerksamkeit ist das Gegenteil von „Konzentration auf ein Objekt“. Leicht wird man von einer Aufgabe so gefesselt, dass man das Teewasser auf dem Herd vergisst, die Abfahrt des Zuges verpasst.

Die Aufmerksamkeit beobachtet die Umwelt, schaut in das Gedächtnis, selektiert, prüft und wählt dann eine Aufgabe, ein Objekt der Wahrnehmung aus. Falls die Aufgabe den Menschen interessiert, und die Aufmerksamkeit fesselt, bleibt er bei diesem Objekt oder Aufgabe haften und bearbeitet sie. Die Aufmerksamkeit fungiert in diesem Operationsmodus als automatischer Überwacher als Zeit- und Aufgabenüberwacher.

Die Aufmerksamkeit in ihrer Funktion als Überwacher beobachtet die Auswahl und prüft, ob die Aufmerksamkeit auf die richtigen Dinge gerichtet ist.

Konzentrationsvermögen ist gut, aber der Überblick darf auch nicht verloren gehen. Der Blick muss auch in die Breite gehen, oder muss in bestimmten zeitlichen Abständen zwischen einem engem und einem weiten Blick wechseln. Diese Steuerung, die weitgehend unwillkürlich abläuft, ist von großer Bedeutung. Eng – weit. Dann Blickwechsel, Konzentration mal hier, mal dort. Flexibilität und Beweglichkeit, aber ohne Hektik. Das hat mit den zwei Ebenen der Objektaufmerksamkeit und der Ebene der Überblicksaufmerksamkeit zu tun. Die obere Ebene steuert die Aufmerksamkeit, wählt aus der Vielzahl der Objekte ein Objekt aus; die zweite Ebene richtet sich auf das Objekt. Beide Ebenen müssen funktionieren, am besten parallel. Im Hintergrund muss die obere Ebene steuern, sie darf aber die Aufmerksamkeit auf der unteren Ebene nicht stören. Das ist die Kunst.

Metaaufmerksamkeit

Gelegentlich erscheint die Aufmerksamkeit selbst als Objekt im Bewusstsein. Dies geschieht durch die Aufmerksamkeit im Meta-Modus. Sie beobachtet sich selbst. Sie kann den Wahrnehmungsprozess selbst wahrnehmen: „Also so beobachte ich die Dinge. Das tue ich.“ Sie sieht das automatisierte Aufmerksamkeitsverhalten, das sonst unbeobachtet und unbewusst abläuft.

Abb.: Die Aufmerksamkeit im Meta-Modus

Objekte treten im Wechsel ins Bewusstsein. Üblicherweise sieht man nur die Inhalte, beobachtet nicht, nach welchen Mustern diese Wechsel erfolgen. Um diese zu beobachten, muss die Aufmerksamkeit eine Ebene „höher steigen“. Die einzelnen Zustände werden dann „von oben“ gesehen, so auch der Wechsel.

Die Meta-Aufmerksamkeit kann diese Aufmerksamkeitsmuster wahrnehmen. Die Metaebene ist daher ein notwendiger Vorbereitungsschritt für eine eventuelle Änderung der Aufmerksamkeitsmuster. Denn man muss sich erst bewusst sein, dass man eine spezifische Art der Wahrnehmung hat, um zu sehen, dass auch eine andere denkbar wäre.

Holt die Aufmerksamkeit ständig Inhalte aus der Überwachungs- und Metaebene, kommt es zu einem häufigen Wechsel zwischen Objekt- und Überwachungsebene und damit zu einer flackernden Aufmerksamkeit. Dies stört und behindert eine längere Konzentration der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt und kann das Arbeiten behindern.

Buglas /Baumeister beschreiben diesen Prozess als Blockieren, der sich als Standard-Reaktion auf äußeren Druck einstellt. Dadurch komme eine bewusste Verlagerung der Aufmerksamkeit zustande. Der Mensch beginne, Ich-bewusst zu werden, auf sich selbst und auf das, was er tue, zu achten, insbesondere darauf, wie er es tue. Diese erhöhte Aufmerksamkeit beeinträchtigte die Ausführung.“ [Buglas, Steven /Baumeister, Roy F.: Selbstsabotage. Warum Sie selbst Ihr ärgster Feind sind, Kabel Verlag, Hamburg 1994, S. 90, 103]