Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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4.1 Quellen der Wahrnehmung 4.2 Die Sinneswahrnehmung 4.3 Die Körperwahrnehmung 4.4 Die Gedächtnis-
wahrnehmung
4.5 Überblicks- und Metaaufmerksamkeit

 

4.3 Die Körperwahrnehmung

Die obige Abbildung stellt als Modellvariante die „reine“ Körperwahrnehmung dar: Es werden nur Körpereindrücke wahrgenommen, z.B. das Pochen des Herzen, die Verspannung im Bauch, der Schmerz in einer Körperregion. Die Sinneseindrücke der Augen, Ohren, Nase sind zwar da, bleiben ausgeblendet und werden nicht wahrgenommen.


Der Körper hat drei Funktionen:

1. Er eine Quelle der Wahrnehmung. Zusätzlich zu den Eindrücken der fünf Sinneliefert der Körper weitere Eindrücke. Neben den oben dargestellten Sinnen stellt der Körper in seiner Gesamtheit ein Sinnesorgan dar. Das kann man alsallgemeines Körpergefühl bezeichnen. Das sind zum einen die Rückmeldungen, die wir von den Muskeln oder von unseren inneren Organen bekommen. Vom Körper gehen also noch Eindrücke aus, die nicht einzelnen Sinnen zuordenbar sind. Die Schwere eines Gegenstandes spüren wir durch den Tastsinn, d.h. den Druck des Gegenstandes auf der Haut, doch viel deutlicher durch die Muskelanspannung. Dann gibt es da noch das Körpergefühl in der Achterbahn oder im Flugzeug während Turbulenzen. Wenn der Magen durch die Bewegung des Gefährts nach oben und unten bewegt wird, ist das für manche Leute ein angenehmes, für andere ein sehr unangenehmes - Brechreiz auslösendes - Gefühl. Wir haben also nicht nur die fünf Sinne, sondern der Körper bildet in seiner Gesamtheit eine weitere Quelle für unsere Wahrnehmung.

2. Er ist die Wahrnehmungsquelle für Gefühle. Durch Kopplung mit Sinneswahrnehmungen und Gedächtniswahrnehmungen wird er zum Resonanzboden für Gefühle. Wenn wir erschrecken, reagiert der Körper: Die Haare richten sich auf, der Bauch verkrampft, die Atmung wird flach. Bei Kälte frieren wir, in Stresssituationen verspannt sich der Körper, besonders die Bauchmuskulatur und wir bekommen Beklemmungsgefühle. Solche Körperzustände, die wir in Situationen erleben, können später durch Erinnern wieder wachgerufen werden. Ken Wilber spricht von Gefühlsaufmerksamkeit.

3. Er ist das Verbindungsorgan zur Umwelt, die Ausgabeeinheit: Tun, Handeln, Bewegen, das Sprechen, das aktive Schauen, das Gehen etc. Mit dieser Funktion des Körpers stellt der Mensch den Kontakt zur Umwelt her.