Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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3.1 Selektieren 3.2 Kybernetik und Regelkreis 3.3 Zwei Systeme interagieren 3.4 Triviale und nicht-triviale Maschinen 3.5 Autopoiesis und Aufmerksamkeit

 

3.3 Zwei Systeme interagieren

Bisher haben wir das System und die Umwelt unterschieden. Dabei war die Umwelt konstant, nur das System selbst veränderte sich. Wenn zwei aktive Systeme miteinander in Austausch treten, d.h. der Output des einen Systems A wird nicht nur als Rückkopplung wieder Input für das System selbst, sondern wird Input für das andere System B.

Zwei Systeme interagieren. Beide verfügen über eine Rückkopplungsschleife. Beide sind sowohl von ihren internen Regelungsmechanismen als auch wechselseitig voneinander abhängig.

Verfügen beide über stark negative Rückkopplungen, ist eine baldige Stabilisierung zu erwarten. Haben beide positive Rückkopplungen, droht zweierlei: Blockade oder Explosion.

Abb: Zwei Systeme in Interaktion

Das Referenzsystem A kann sich, wenn es selbst instabil ist, möglicherweise durch eine Kopplung mit System B besser stabilisieren.

Diese Möglichkeit ist größer, wenn es sich bei System B um ein triviales, berechenbares System handelt.

Neigen beide zu Instabilität, können sie sich möglicherweise durch Interaktion stabilisieren; möglicherweise verstärken sie aber auch ihre Instabilitäten.

Sonderfall wäre, dass beide auf gleichem Niveau operieren. Wahrscheinlicher ist, dass ein System die dominierende Rolle übernimmt und beide Steuerung des Zweiersystems maßgeblich bestimmt.

Was kann daraus für das Thema Aufmerksamkeit gefolgert werden?

Wir gehen davon aus, dass das Referenzsystem A durch das Aufmerksamkeits-Bewusstseinssystem, wie im obigen Regelkreis dargestellt, repräsentiert wird. A enthält also die beiden Subsysteme Aufmerksamkeit und Bewusstsein und tritt jetzt als Gesamtsystem dem System B gegenüber.

Das Bewusstseins-Aufmerksamkeitssystem kann sich mit zwei Arten von Systemen koppeln:

a)       Mit einem System in der Außenwelt. Dabei kann es einfache triviale Systeme wählen oder nicht-triviale Systeme mit variabler Kontingenz.

b)       Mit einem System in der Innenwelt, mit dem eigenen Gedächtnis- und Denksystem. Dabei ist die Frage, ob das Bewusstsein-Aufmerksamkeitssystem die dominante Steuerungsfunktion übernimmt oder ob die internen Mechanismen dominieren.

Die Wahl eines äußeren trivialen Systems (z.B. ein unbeweglichen Gegenstandes, oder eines Sinneseindrucks wie etwa dem Atem bei der Meditationsübung) wird die Aufmerksamkeit beruhigen. Allerdings besteht die Möglichkeit, das diese Ruhe die Kopplung an das Objekt löst (es wird langweilig) und sich das Bewusstseins-Aufmerksamkeitssystem eine lebendiger Kopplung sucht (etwa indem es sich der Gedankenwelt zuwendet).

Eine starke Kopplung an ein äußeres System wir durch Gefahr hergestellt. Im Menschen angelegte Instinktreste werden aktualisiert und es findet eine intensive Hinwendung zur Welt statt (Gefahrensituationen, Bergsteigen, Extremtouren).