Aufmerksamkeit. Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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3.1 Selektieren 3.2 Kybernetik und Regelkreis 3.3 Zwei Systeme interagieren 3.4 Triviale und nicht-triviale Maschinen 3.5 Autopoiesis und Aufmerksamkeit

 

3.2 Kybernetik, Regelkreis und Aufmerksamkeit

Zentrales Element der Kybernetik ist die Rückkopplung (feedback). In jedem System, in dem eine Transformation erfolgt, haben wir einen Input und einen Output. Die Inputs sind die Einflüsse der Umwelt auf das System, und die Outputs sind die Einflüsse des Systems auf die Umwelt. Zwischen Input und Output liegt eine Zeitspanne.

Abb.: Der einfache Regelkreis  

 

In jeder Rückkopplungsschleife (feedback loop) werden Informationen über den Output als Input an das System zurückgegeben. Wenn diese Informationen die Transformation in der gleichen Richtung begünstigt, liegt eine positive Rückkopplung vor. In diesem Fall folgt ein exponentielles Wachstum oder eine exponentielle Schrumpfung. Wenn die neue Information in der Gegenrichtung wirkt, haben wir eine negative Rückkopplung. In diesem Fall stabilisiert sich das System.

Nach: Valentin F. Turchin , http://pespmc1.vub.ac.be/MST.html

Positive Rückkopplungen führen zu einer unendlichen Expansion (Kettenreaktion, Bevölkerungswachstum) oder zu einem völligen Stillstand aller Aktivitäten oder zu einer Blockade (Unternehmenszusammenbruch, wirtschaftliche Depression).  Beruht die Steuerung dagegen auf negativen Feedbacks, wird das System stabilisiert. Negative Feedbacks führen zu einem Verhalten, das das Systems an einer Zielgröße (Soll-Wert) hin orientiert: z.B. Temperatur, Geschwindigkeit, Konzentration. In einigen Fällen ist die Zielgröße im System eingebaut (z.B. der Anteil von CO2 in der Atmosphäre, der Glukosegehalt im Blut); in anderen Fällen gibt der Mensch die Zielgröße vor (z.B. Einstellung der Raumtemperatur, Tempomat). Im Falle des negativen Feedbacks oszilliert das System um diesen Gleichgewichtszustand, den es allerdings nie erreicht [Valentin F. Turchin. http://pespmc1.vub.ac.be/MST.html].

Was haben diese kybernetischen Ausführungen mit Aufmerksamkeit zu tun?

Wir können das Bewusstsein als das System betrachten, das von der Aufmerksamkeit gesteuert oder geregelt wird. Das Ergebnis der steuernden Tätigkeit erfährt der Regler Aufmerksamkeit vom Bewusstsein. Stimmt der Output nicht mit der gewünschten Zielvorgabe überein, kommt es zu einer Soll-Ist-Abweichung und der Regler wird nun versuchen, diese Differenz auszusteuern. Es liegt also ein Prozess wechselseitiger Bedingtheit vor, der in seinem Erfolg maßgeblich von der Fähigkeit des Reglers abhängt. So wie es bei der Regelung der Raumheizung sehr leistungsfähige Regler gibt, die die voreingestellte Temperatur bei nur geringen Abweichungen halten, so kann man sich vorstellen, dass es in diesem Sinne unterschiedlich leistungsfähige Aufmerksamkeiten gibt.