Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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3.1 Selektieren 3.2 Kybernetik und Regelkreis 3.3 Zwei Systeme interagieren 3.4 Triviale und nicht-triviale Maschinen 3.5 Autopoiesis und Aufmerksamkeit

 

3.1 Selektieren aus der Vielzahl der möglichen Eindrücke

„Zu jedem Erleben gehört konstitutiv ein Wissen davon, dass die Aufmerksamkeit jederzeit von dem gerade thematisierten Gegenstand abgewendet und einem anderen Gegenstand zugewendet werden kann. Alle Gegenstände der Erfahrung werden also gleichsam in einen Horizont anderer ‚Vermöglichkeiten’ (Husserl) eingebettet erlebt. Diesen Horizont erlebt das Bewusstsein als beweglich und als konstitutiv offen. Denn mit jeder Positionsverschiebung, die das Bewusstsein vornimmt, verschiebt sich auch der Horizont der Möglichkeiten. ... Das Bewusstsein ist zwar einerseits immer auf ein Bestimmtes gerichtet, aber dieses Bestimmte aber wird immer und konstitutiv vor dem Hintergrund von anderem nur thematisiert.“ (Gripp-Hagelstange, Helga: Niklas Luhmann. Eine Einführung. 2. Auflage, München 1997, S. 52f.)

Der Mensch steht einer Vielzahl von Informationen in der Welt gegenüber. Systemtheoretisch formuliert heißt dies, dass sich das System Mensch mit einer hohen Umweltkomplexität konfrontiert sieht. Da seine Sinnes- und seine Wahrnehmungsorgane jedoch nur eine begrenzte Informationsverarbeitungskapazität haben, wird auf der Inputseite eine Reduktion der Umweltkomplexität erzwungen (Willke, 1982, S. 23f.). Die Umweltdaten müssen nach ihrer Wichtigkeit ausgewählt werden.