Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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2.1 Der Geist- Körper Zusammenhang 2.2 Aus "Klicks" Wahrnehmungen machen 2.3 Dualismus 2.4 Der Thalamus 2.5 Gefühle entstehen

 

2.5 Das Bewerten der Wahrnehmungen erzeugt neue Wahrnehmungen, nämlich Gefühle

Wahrnehmungen gehen mit emotionalen Reaktionen einher, angenehmer und unangenehmer Art. Ebenso bringen Erinnerungen emotionale Begleiterscheinungen mit sich.

Doch diese Reaktionen verlaufen häufig unbewusst im Hintergrund. Sinneseindrücke werden spontan, d.h. ohne bewusstes Zutun des Wahrnehmenden, mit gespeicherten Gefühlsinhalten verknüpft. Man spricht von Assoziationen.

Zwischen der Auswahl- und der Bewertung besteht ein enger Zusammenhang. Was als schlecht bewertet wird, wird anders wahrgenommen als das, was als gut bewertet wird. Dagegen sucht ein pessimistischer Mensch das Negative. Man kann also nicht sagen, dass immer das Gute bevorzugt oder stärker wahrgenommen wird.

Aufmerksamkeit Bewertungsinstanz  
selektiert, lenkt die Sinne auf bestimmte Objekte und Wahrnehmungen   bewertet die Eindrücke  

 

Bei Kleinkindern sind wenig Gedächtnisinhalte vorhanden. Ihre Wahrnehmung ist daher dem originären Sinneseindruck näher als bei einem Erwachsenen. Da die Interpretation und Bewertung der Sinneseindrücke bei einem Individuum weitgehend immer nach dem gleichen Muster geschieht, nimmt er die Welt mit einer gewissen Konstanz wahr. Die Rückkehr in die Wahrnehmung des Kindes ist nicht möglich. Aufmerksamkeits- und Bewertungsmuster haben sich im Laufe des Lebens verfestigt, und entziehen sich der willentlichen Einflussnahme. „Bewertungs- und Gedächtnissystem hängen untrennbar zusammen, denn Gedächtnis ist nicht ohne Bewertung möglich, und jede Erfahrung geschieht aufgrund des Gedächtnisses, d.h. früheren Erfahrungen und Bewertungen.“ (Roth, Das Gehirn ..., S. 198)

Abb.: Die Konnotationen

 

Objekte sind im Subjekt mit gefühlsmäßigen Erinnerungen verknüpft. Man spricht von Konnotationen. (Crane/Soutar nennen das „felts“) . Das können schöne oder schlechte Erinnerungen sein, solche mit guten und solche mit schlechten Gefühlen. Objekte, die mit guten Gefühlen verbunden sind, werden verstärkt wahrgenommen. Objekte, die mit schlechten Gefühlen verbunden sind, und bei ihrer Wahrnehmung diese schlechten Gefühle wieder hervorrufen, werden manchmal von der Aufmerksamkeit gemieden. Manchmal jedoch werden diese Objekte wieder und wieder aufgesucht, um doch noch eine Lösung der aktivierten Problematik herbeizuführen.


Das limbische System bewertet die Eindrücke

Evolutionsgeschichtlich ist es recht interessant, dass die Entscheidung, was von der einströmenden Information aus der Außenwelt wichtig ist und was nicht ist, nicht von der Großhirnrinde vorgenommen wird, die ja die Außenwelt sehr detailliert, aber sozusagen leidenschaftslos analysiert, sondern von dem eng mit der Gefühlswelt verknüpften limbischen System. Indem dieses weitaus ältere Organ und nicht der Cortex als Auswahlstelle im Flaschenhals fungiert, erfolgt die Bewertung der Information also nicht „objektiv“, sondern, und dies scheint für das Überleben des Individuums offenbar eine bessere Garantie abzugeben - auf Gefühlsbasis. Diese jeweils individuelle Auswahl garantiert dann in der Kommunikation der Menschen untereinander eine Vielfalt der Blickwinkel und damit eine reichhaltigere Erfassung der Realität (Vester, F.: Denken, Lernen, Vergessen, 1997, S. 86)

Das limbische System liegt tief im Hirn und enthält Teile aller Hirnlappen. Es hat Verbindungen zu vielen tiefen Kerngebieten und zum Geruchsapparat. Phylogenetisch ist das limbische System einer der primitiven alten Teile des Gehirns. Es ist eine heterogene Gruppe von Strukturen rund um das Mittelhirn, die mit dem nicht durch den Willen gesteuerten Funktionen, Emotionen und Verhalten verknüpft sind. Das limbische System ist die Zentralstelle des endokrinen, vegetativen und psychischen Regulationssystems. Es verarbeitet Reize aus dem Körperinneren und von außen. Das limbische System steuert das emotionale Verhalten und ist das Zentrum für Gefühle. Außerdem ist es mit anderen Zentren am Gedächtnis beteiligt. Störungen des limbischen Systems führen zu Störungen der emotionalen Verhaltensweisen. Großhirnrinde und limbisches System bilden eine unauflösliche Einheit, was die physiologische Basis für das psychologische Phänomen sein könnte, dass Kognition nicht ohne Emotion möglich ist.