Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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2.1 Der Geist- Körper Zusammenhang 2.2 Aus "Klicks" Wahrnehmungen machen 2.3 Dualismus 2.4 Der Thalamus 2.5 Gefühle entstehen

 

2.4 Ist der Thalamus das Aufmerksamkeitsorgan?

Prozesse der individuellen Aufmerksamkeit lassen sich entsprechend dem Geist-Körper-Dualismus aus zwei Perspektiven betrachten. Zum einen von der psychologischen Seite, wobei versucht wird, die Funktionsweisen durch Beobachtungen, Laborversuche und Modellbildungen zu erfassen und zu erklären. Gezielt um die Erforschung der Aufmerksamkeit in allen möglichen Kontexten hat sich etwa Donald Broadbent von der Oxford University gekümmert (Broadbent, Donald: Perception and Communication, 1958, reprint: Oxford University Press 1987)

Zum andern von der gehirnphysiologischen Seite. Gerade in den letzten Jahren wurden in der Gehirnbiologie und –physiologie erhebliche Forschungsanstrengungen gemacht. Die dabei ermittelten Ergebnisse zeigen, dass nicht ein einzelnes Organ für die Aufmerksamkeit zuständig ist, sondern mehrere Gehirnorgane in ihrem Zusammenwirken die Aufmerksamkeitsfunktion hervorbringen.

Von einigen Autoren wird der präfrontale Cortex als das ‚überwachende Aufmerksamkeitssystem’ angesehen. Gerhardt Roth dagegen hält die Annahme, der präfrontale Cortex sei das ‚höchste Gehirnzentrum’ für nicht gerechtfertigt. Vielmehr arbeite es arbeitsteilig mit den anderen sensorischen, motorischen und assoziativen Arealen zusammen; seine besondere Leistung liegt in der Verhaltensplanung und der Einbindung des geplanten Verhaltens in den Handlungskontext (Roth, Das Gehirn ..., 184).

„Die Aufmerksamkeit wird vom Thalmus gesteuert“ sagt Dr. Franz Vollenweider, Neuropsychologe aus Zürich in der Sendung in 3Sat am 10.4.02. Der Thalamus filtert und drosselt die Reize, die ins Großhirn einströmen. Bei der Anwendung das Wachbewusstsein erweiternder Methoden zeige sich eine Aktualisierung bestimmter Gehirnregionen, z.B. im Stirnhirn und in den Temporallappen. Ob dies drogeninduziert oder durch magische Praktiken hervorgerufen werde, das mache keinen Unterschied. Allerdings sieht es so aus, als ob der Thalamus keine autonome Steuereinheit darstellt, sondern seinerseits auf Rückmeldungen des Cortex reagiert. (So auch bei Crane/Soutar, S. 100) Vollenweider erklärt Halluzinationendamit, daß die übliche Integrationsfähigkeit des Gehirn durch eine Reizüberflutung überfordert wird.

Die Neurowissenschaftler Markus Fendt und Michael Koch zeigten, dass an der Reizfilterung mindestens drei Hirnregionen essentiell beteiligt sind: Stirnhirn (Frontalcortex), Striatum und Thalamus. Da der Thalamus die von den Sinnesorganen einlaufenden Informationen integriert und zum Großhirn weiterleitet, kommt ihm wahrscheinlich die zentrale Funktion des „Filters“ zu. Der schwedische Neuropharmakologe Arvid Charlsson postulierte, dass zwei verschiedene Nervenbahnen die thalamische Filterfunktion aufrechterhalten. Die eine zieht vom Frontalcortex zum Striatum und wird durch Glutamat gesteuert. die andere verläuft vom Hirnstamm zum Striatum und nutzt Dopamin als Botenstoff. (Gehirn und Geist, Nr. 4/2202, S. 41f.)