Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

© h.zell

2.1 Der Geist- Körper Zusammenhang 2.2 Aus "Klicks" Wahrnehmungen machen 2.3 Dualismus 2.4 Der Thalamus 2.5 Gefühle entstehen

 

2.2 Aus „Klicks“ Wahrnehmungen machen

Wie  kommt die Welt in unseren Kopf?

Wie können wir uns diesen Übergang von der physikalischen Welt der Objekte zum Bewusstsein erklären oder vorstellen? Die physikalischen Reize wie Lichtwellen, Tonwellen oder Tasteindrücke wirken auf unsere Sinne, lassen an den Sinnesrezeptoren chemisch-elektrische Impulse entstehen, die über die Nervenleiter ans Gehirn übertragen werden. Die Komplexität der Umwelt wird zerstückelt in einzelne Impulse und die Ganzheit der Welt ist erst mal verloren.

Heinz von Foerster: „Alle Zellen kennen nur die Sprache ‚Klick, klick, klick.“ [von Foerster, Sicht und Einsicht, 1985, S. 138] Und er stellt dann die Frage, wie denn aus dieser Folge von Klicks der überwältigende Reichtum unserer Empfindungen entstehen kann. Diese müssen im Gehirn selbstreferentiell und selbstexplikativ konstruiert werden. Nach von Foerster ist Kognition die Errechnung einer Realität, oder genauer Errechnungen von Beschreibungen einer Realität. Kein Organismus hat als Organismus einen kognitiven Zugang zu seiner Umwelt. Nur über die Beobachtung eigener interner Operationen und Zustände gewinnt ein Organismus diejenige Vorstellung, die ihm dann als Realität erscheint [Gripp-Hagelstange: Niklas Luhmann, 1997, S. 38].

Überwiegend geschieht die Auswahl der Eindrücke unbewusst, entsprechend genetisch festgelegten und erlernten Mustern. Die Aufmerksamkeit übernimmt diese Auswahl und entlastet so das Bewusstsein, das gar nicht in der Lage wäre, alle von außen auftretenden Reize auf ihre Relevanz hin zu bewerten und auszuwählen. Nur ein kleiner Bruchteil der von den Sinnesorganen und Nerven aufgenommenen ständig aufgenommenen Reize und Informationen erreicht die bewusste Ebene. Insoweit ist es für unser Denken und Handeln schon von großer Bedeutung, welche Informationen ins Bewusstsein weitergegeben und welche ausgefiltert und ausgesondert werden. Daher spielen diese Muster der Aufmerksamkeit eine wesentliche Rolle, da sie bestimmen, was wir wahrnehmen und mit welcher Intensität wir das tun.

Auf uns strömt mehr ein, als wir sofort verarbeiten können. Ein Filtermechanismus im Gehirn des Menschen sorgt dafür, dass nur ein Teil der Sinnesdaten zum Bewusstsein durchgelassen wird. Auf welchen Kriterien beruht die Auswahl? Können wir diesen Prozess steuern?

Das Bewusstsein ist extrem selektiv und kommt einem "Filter" gleich (nach der von Broadbent 1958 begründeten Filtertheorie). Danach gibt es Filter, die entscheiden, welche Informationen zum Bewusstsein werden und welche nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Abb.: Das Aufmerksamkeitsmodell von Broadbent  

 

Fasst man die inneren und äußeren Wahrnehmungen als Eingabe, die Handlungen, Äußerungen als Ausgabe, als Verarbeitungsteil auf, so tritt eine zunehmende Verdichtung auf.  Die ankommende »externe« Information wird also erst entkleidet und dann durch im Gehirn vorhandene Informationen unbewusst mit einem neuen Outfit versehen, sozusagen »personalisiert«. Eine Gehirnwäsche im umgekehrten Sinn: Nicht das Gehirn wird gewaschen, sondern es selbst wäscht den hindurchströmenden Informationsfluss. Die Information aus der Umwelt, auf diese Weise mit uns selbst vertraut gemacht, verlässt uns nun wieder in neuer Form und wirkt auf die Umwelt durch unser Denken und Handeln zurück. Der Kreis ist geschlossen, der Mensch als Nehmender und Gebender integriert (Vester, F.: Denken, Lernen, Vergessen, 1997, Erstauflage 1975, S. 86)