Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

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2.1 Der Geist- Körper Zusammenhang 2.2 Aus "Klicks" Wahrnehmungen machen 2.3 Dualismus 2.4 Der Thalamus 2.5 Gefühle entstehen

 

2.1 Der Geist-Körper-Zusammenhang

Im Wahrnehmungsprozess haben wir es mit drei Welten zu tun: die Umwelt als die physikalische Welt, die Welt der neuronalen Ereignisse und die subjektive Erlebniswelt. Die folgende Graphik veranschaulicht diese Zusammenhänge.

Abb.: Die drei Welten nach Gerhard Roth

 

Zwischen der objektiven Welt und der subjektiven Wirklichkeit steht die Welt der neuronalen Ereignisse. Somit gibt es keine direkte Beziehung zwischen unserer Wirklichkeit und der Welt und wir können schon deshalb prinzipiell nicht wissen, wie die Welt „wirklich“ ist. Aufgrund des fehlenden unmittelbaren Zugangs zur Welt sind wir zwangsläufig gezwungen, uns ein Bild von ihr zu konstruieren. Wir machen uns Bilder von ihr. Doch wie die Welt „wirklich“ ist, bleibt uns verborgen.


Wie zuverlässig sind unsere Sinne?

Selbst unsere Sinne liefern uns nur Informationen über einen kleinen Ausschnitt der Eigenschaften der physikalischen Welt. Beispielweise sehen wir nur ein kleines Segment des von Objekten abgegebenen Wellenspektrums. Objektiv „gesehen“ ist ein Baum nicht grün, sondern er strahlt ein breites Spektrum von Wellen ab. Nur einen Teil dieses Spektrums kann unser Auge wahrnehmen und dieses empfinden wir als Grün. Da dies ein völlig subjektiver Eindruck ist, gibt es grundsätzlich keine Möglichkeit festzustellen, ob mein Eindruck von „grün“ identisch mit dem eines anderen Menschen ist. Im Alltagsleben gehen wir davon aus, dass unsere Eindrücke von Farben die gleichen sind (mein „grün“ entspricht deinem „grün“). Und irgendwie funktioniert das im Alltagsleben auch. Doch letztlich wissen wir das nicht. Es gibt keine intersubjektive Vergleichbarkeit. Deutlich wird das, wenn man die Aufgabe gestellt bekommt, „grün“ zu beschreiben, vielleicht einem von Geburt an blinden Menschen. Da findet man keine Worte. Diese Unmöglichkeit geht auf die Grundtatsache zurück, dass die Gegenstände keine Farben haben, sondern wir die Farben in unserer subjektiven Welt konstruieren.

„Der Beobachter, der vorgibt einen Stein zu beobachten, beobachtet, ..., in Wirklichkeit die Wirkungen der Steine auf sich selbst.“ ( Bertrand Russel, zitiert nach Einstein, Albert: Mein Weltbild. Hrsg. Von Carl Seelig, 27. Auflage, Ullstein Taschenbuchverlag 2001, S. 42)


 

Rätselfrage:

Eine Tanne steht im Sommerwald. Kein Beobachter. Kein Mensch, kein Reh, kein Fuchs, kein Hase. Welche Farbe haben ihre Nadeln?