Kapitel 1: Aufmerksamkeit und Bewusstsein

© h.zell

1.1 Was ist 
Aufmerksamkeit?
1.2 Bewusstsein
und Wahrnehmung 
1.3
 Unbewusstes
1.4 
Steuerung der Wahrnehmung
1.5 Aufmerksamkeit
als prozessuales Gedächtnis 

 

1.3 Unbewusste Wahrnehmung – unbewusste Gedächtnisinhalte

Bei Sigmund Freud ist das Bewusstsein eine Instanz oder ein Teil der Persönlichkeit mit bestimmten Inhalten, und das Unbewusste ein anderer Teil der Persönlichkeit mit anderen Inhalten. Das Bewusstsein ist dem Individuum zugänglich. Wenn es auf diese Inhalte zugreifen will, hat es diese Möglichkeit. Sein Unbewusstes dagegen ist dem Menschen verborgen. Es enthält angstvolle oder schmerzhafte Erinnerungen, die durch einen Verdrängungsprozess dorthin weggesperrt worden sind.

Doch auch unbelastende Gedächtnisinhalte sind nicht immer ohne weiteres zugänglich - zum Leidwesen vieler Schüler. „Wann war denn die Schlacht im Teutoburger Wald?“ „Wann war Cäsar Herrscher in Rom?“. Durch längeres Nachdenken lassen sich diese Inhalte wieder ins Bewusstsein holen - oder auch nicht. Nach dieser Vorstellung handelt es sich sowohl beim Bewusstsein, als auch beim Unbewussten um eine Art Speicher.

Wir nehmen mehr wahr, als uns bewusst wird. Wir sehen, hören, riechen und schmecken vieles, was wir gar nicht bemerken. Manchmal hat man das Gefühl, man hätte etwas bestimmtes wahrgenommen, kann aber nicht genau sagen, was es denn war. Das war eine Wahrnehmung am Bewusstsein vorbei, eine unbewusste Wahrnehmung. Erst wenn die Aufmerksamkeit aus den vielen unbewussten Wahrnehmungen einzelne Inhalte heraus filtert und sie ins Bewusstsein bringt, nehmen wir sie wahr.

Auch Gefühle können unbewusst bleiben. Beispielsweise kann ein Schmerz unregistriert und somit unbewusst bleiben, wenn er eine gewisse Grenze nicht überschreitet und die Aufmerksamkeit gerade von einem anderen starken Reiz absorbiert ist. Das Unbewusste aber hat es doch bemerkt, und solche unterschwelligen Sinneswahrnehmungen spielen in unserem Alltagsleben eine wichtige Rolle.

Wir müssen also unterscheiden zwischen Unbewussten als Wahrnehmung und dem Unbewussten als Speicherinhalt. Damit kommen wir zu folgendem Schema:

Das Bewusste

Das Unbewusste

Bewusstsein als Speicher

Gedächtnisinhalte, die abgerufen werden können. Daran können wir uns erinnern.

Gedächtnisinhalte, die nicht oder nur schwer zugänglich sind.

Bewusstsein als Wahrnehmung

Wahrnehmungsbewusstsein, als das was mir im Moment bewusst ist

Man nimmt mehr unbewusst als bewusst wahr. Die Aufmerksamkeit entscheidet, was ins Bewusstsein geholt wird.