Organisationslehre

1.1 Der Begriff der
Organisation
1.2 Theorie und Praxis der Organisation 1.3 Unternehmens-
ziele
1.4 Wichtige Wegbereiter der
Organisationslehre
1.5 Rahmen-
bedingungen
 

 

1.4 Wichtige Wegbereiter der Organisationslehre

Adam Smith
Der Nationalökonom Adam Smith (1723 – 1790) beschrieb anhand von seinem berühmten Stecknadelbeispiel die Vorzüge der Arbeitsteilung im Buch „Der Wohlstand der Nationen“ (1776). Die Produktivität steigt, wenn in einer Gruppe von mehreren Arbeitern nicht jeder einzelne Arbeiter sämtliche Arbeitsgänge ausführt, sondern sich jeder auf einen bestimmten Arbeitsgang konzentriert: Ein Arbeiter kann alleine an einem Tag einige Dutzend schlechte Nadeln herstellen; eine auf einzelne Arbeitsgänge spezialisierte Gruppe ist jedoch in der Lage, Tausende von perfekten Nadeln zu fertigen. Die erhebliche Produktionssteigerung führte er zurück auf die so mögliche höhere Geschicklichkeit und Schnelligkeit des einzelnen Arbeiters. Diese Überlegungen bildeten die Ausgangsbasis für das von Taylor (1919) entwickelte Scientific Management [Kieser / Kubicek 1983: 83].


Taylor „Scientific Management“
Frederick Winslow Taylor (1856 – 1915) stellte sich die Aufgabe, die Leistungen der menschlichen Arbeitskraft zu steigern. Er ging von der Annahme aus, dass von den monetären Anreizen die stärkste Wirkung zu erwarten sei. Merkmale seiner sogenannten „Wissenschaftlichen Betriebsführung“:

Problem: Widerstand der Arbeitnehmer gegen Arbeitsintensivierung, Arbeitszurückhaltung – und -verweigerung, Krankmeldungen

Kritik:

Auf Taylor und sein Funktionsmeisterprinzip geht die Idee des Mehrliniensystems zurück. Heute orientieren sich immer noch Unternehmen am Taylorismus. Die REFA (von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften gegründeter Verein) veranstaltet z.B. auf der Basis des Taylorismus noch Kurse zur Ausbildung von Ingenieuren und veröffentlicht Leitfäden zur Rationalisierung.


Henri Fayol
Henri Fayol (1841-1925), französischer Bergbauingenieur und Begründer der (französischen) Verwaltungslehre, arbeitete 14 Prinzipien aus: 1. Arbeitsteilung, 2. Autorität, 3. Disziplin, 4. Einheit der Auftragserteilung, 5. Einheit der Leitung, 6. Unterordnung des Einzelinteresses unter das allg. Interesse, 7. gerechte Entlohnung, 8. Zentralisation, 9. hierarchische Organisation, 10. Ordnung, 11. ausgleichende Gerechtigkeit, 12. Firmentreue, 13. Initiative und 14. Gemeinschaftsgeist. Unter diesen Oberbegriffen wurden genaue Vorschriften formuliert. So sollte z.B. ein Arbeiter nur einem Leiter unterstellt sein. Alle Arbeiter vom untersten bis zum höchsten sollten sich diszipliniert verhalten (1916)


Die Human-Relations-Bewegung
Die Hawthorne-Experimente. Hawthorne-Werke der Western Electric Company in Chicago, 1929 –1930 unter Leitung des Psychologen Elton Mayo.
Untersucht wurden:

Zwei Vergleichsgruppen – beide steigerten ihre Leistungen. Man beobachtete, dass nicht die veränderten Arbeitsbedingungen Ursache für die Leistungssteigerung waren, sondern die erhöhte Aufmerksamkeit und das Entstehen von Gruppengefühl.

Erkenntnisse:

Praktisch umgesetzt wurden die Erkenntnisse dieser Untersuchung erst in den 50er Jahren, als sich ein Gruppe um Douglas McGregor, Abraham Maslo und Frederick Herzberg zusammenfand – die spätere Human Relations School. [Crainer, Stuart: Managementtheorien, die die Welt verändert haben, S. 108]. Unter der Bezeichnung „Humanisierung der Arbeit“ wurden neue Konzepte entwickelt: Job Enlargement, Job Enrichment, Job Rotation, teilautonome Arbeitsgruppen.


Max Weber. Das Bürokratiemodell
Nach Max Weber (1864 - 1920) beruht die bürokratische oder rationale Herrschaft auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen (Gesetze, Regeln, Zuständigkeiten) [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Kapitel III. Die Typen der Herrschaft, 1921/22, S. 218]
Eigenschaften der Bürokratie und der Beamten:
1. persönlich frei nur sachlichen Amtspflichten gehorchen,
2. in fester Amtshierarchie
3. mit festen Amtskompetenzen
4. kraft Kontrakts, also (prinzipiell) auf Grund freier Auslese nach
5. Fachqualifikation angestellt (nicht: gewählt)
6. entgolten sind mit festen Gehältern in Geld
7. ihr Amt als einzigen oder Haupt-Beruf behandeln,
8. eine Laufbahn: „Aufrücken" je nach Amtsalter oder Leistungen
9. in völliger „Trennung von den Verwaltungsmitteln" und ohne Appropriation der Amtsstelle arbeiten,
10. einer strengen einheitlichen Amtsdisziplin und Kontrolle unterliegen.

Diese Ordnung ist im Prinzip in erwerbswirtschaftlichen oder karitativen oder beliebigen anderen private ideelle oder materielle Zwecken verfolgenden Betrieben gleich anwendbar. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Kapitel III. Die Typen der Herrschaft, S. 222, gekürzt]


Erich Kosiol
Erich Kosiol ( 1899 - 1990), Unter der Aufgabenanalyse versteht man die gedankliche Aufgliederung einer Gesamtaufgabe in analytische Teilaufgaben. Diese Teilaufgaben werden im Zuge der Aufgabensynthese als Vorstufe der Aufbauorganisation wieder zusammengefügt. Dieses Analyse-Synthese-Konzept wurde von Erich Kosiol in seinem Werk „Organisation der Unternehmung“ (1976).


Erwin Grochla
Erwin Grochla (1921 - 1986) sieht die Organisation wird als System von Regeln gesehen, das durch organisatorische Gestaltungshandlungen entsteht. Er teilt er die Organisation in Aufbau- und Ablauforganisation. Für die Gestaltung sieht er die drei grundlegenden Ansätze: a) Arbeitsteilung: Die Aufgaben werden auf Aktionsträger aufgeteilt. b) Koordination: Die Prozesse zur Aufgabenerfüllung werden aufeinander abgestimmt. c) Konfiguration: Gestaltung der Aufbauorganisation durch Hierarchieebenen und Leitungsspanne. Maßgebliches Werk: "Unternehmensorganisation" (1972).


Zell, Helmut: Die Grundlagen der Organisation. Lernen und Lehren, Norderstedt 2017