Entwicklungsökonomie - Grundlagen

6.1 Theorie der komparativen Kosten 6.2 Importsubstitution - Exportförderung 6.3 Schutzzoll - Friedrich List 6.4 Verschuldung  

6.1 Theorie der komparativen Kostenvorteile (Ricardo)

Smith, Adam, 1723 – 1790, schottischer Nationalökonom und Moralphilosoph. Sein Hauptwerk "Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Nationalreichtums" erschien 1776. Vertreter des Freihandels.

Ricardo, David, 1772 – 1823, britischer Nationalökonom. Sein Hauptwerk "On the principles of political economy and taxation" erschien 1817. Während Adam Smith die Entstehung des Außenhandels durch absolute Produktionskostenunterschiede erklärt, weist Ricardo nach, dass Außenhandel auch dann vorteilhaft für ein Land ist, wenn es alle Güter billiger als das Ausland produziert. Es ist dann sinnvoll, die relativ billigsten Güter zu exportieren und die relativ teuersten zu importieren. (Theorie der komparativen Kosten).

Zentrale Modellannahmen:

Pro Periode stehen je 100 Arbeitseinheiten (AE) zur Verfügung, mit denen alternativ die folgenden Gütereinheiten (GE) erzeugt werden können:

Gut US UK
Weizen GE 24 10
Leinen GE 18 16

USA kann mit den 100 Arbeitseinheiten entweder 24 Gütereinheiten Weizen oder 18 GE Leinen produzieren. UK kann 10 GE Weizen oder 16 GE Leinen produzieren.

D.h. die USA haben einen absoluten Kostenvorteil bei beiden Gütern, und einen größeren, komparativen Vorteil in der Weizenproduktion.


Autarker Zustand

Bei der gegebenen Nachfragestruktur werden die verfügbaren Arbeitsmengen wie folgt verwendet:

 

USA

UK

Gesamt-
produktion

  GE AE GE AE GE
Weizen 16 66 2/3 5 50 21
Leinen 6 33 1/3 8 50 14

USA haben 16 GE Weizen und 6 GE Leinen zur Verfügung. UK 5 GE Weizen und 8 GE Leinen.


Mit Außenhandel

Die beiden Länder treten in Austausch und spezialisieren sich. Die USA produziert jetzt nur noch Weizen, UK nur noch Leinen.

  USA UK Gesamt
  Produktion Verbrauch Produktion Verbrauch GE
Weizen 24 18 - 6 24
Leinen - 7 16 9 16

Die USA haben nun 18 GE Weizen und 7 GE Leinen zur Verfügung; UK 6 GE Weizen und 9 GE Leinen.

Ergebnis: Beide Länder haben nach Aufnahme von Außenhandel mehr Güter zum Verbrauch als vorher! Der gemeinsame Außenhandel hat sich also für beide gelohnt.


Beispiel "Hochschullehrer und sein Assistent":
Ein bekannter Hochschullehrer leitet als Lehrer und Forscher Hervorragendes, ist gleichzeitig auch ein überragender Organisator und Verwaltungsfachmann. In beiden Tätigkeiten ist er seinem Assistenten überlegen - besitzt einen absoluten Vorteil. Sollte er aber seine wertvolle Arbeitskraft verzetteln und einen größeren Teil seiner Arbeitszeit, die er für die Forschung und Lehren widmen könnte, für die Erledigung von Verwaltungsangelegenheiten benutzen? Zwar ist der Assistenz auch in Ausführung verwaltender Arbeiten unterlegen, doch wenn hier sein Nachteil vergleichsweise gering ist, wäre es dennoch zweckmäßig, wenn er diese Arbeit übernimmt und dadurch seinen Professor in die Lage versetzt, sich auf seine Forschungs- und Lehrtätigkeit zu konzentrieren. Der Assistent hat zwar keinen absoluten, wohl aber einen komparativen Vorteil in der Erledigung organisatorischer Aufgaben. 
Quelle: Rose, Klaus, Theorie der Außenwirtschaft, 1968, S. 192
Fragen: 

1. Wer von beiden hat den größeren persönlichen Nutzen, kurz- und langfristig? 
Bei dieser Art der Arbeitsteilung hat Herr Professor die besten Chancen sich in seinem Fach weiter zu qualifizieren. Sein Assistent dagegen hat die Chance, eine gute Verwaltungskraft zu werden.

2. Lässt sich diese Überlegung auf die Entwicklungschancen von Ländern anwenden? 
Friedrich List hat das gemacht.

3. Wäre es denkbar, dass eine bestimmte Arbeitsteilung, zwischen Personen oder zwischen Ländern, zwar für beide kurzfristig vorteilhaft ist, aber daß langfristig ein Partner benachteiligt wird? 

4. Wie ist das mit Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau in Familien?