Entwicklungsökonomie - Grundlagen

4.1 Dualismus 4.2 Strukturelle Heterogenität 4.3 Dependenz- Theorien 4.4 terms of trade, ungleicher Tausch

4.1 Dualismustheorien

J.H. Boeke 1953 prägte in einer Fallstudie über Indonesien den Begriff der "dualen Gesellschaft". Dieser Begriff wurde von Gunnar Myrdal 1959 aufgegriffen, und dann - hauptsächlich von Autoren aus Lateinamerika - weiterentwickelt und wurde zu einem zentralen Schlüsselbegriff in der entwicklungstheoretischen Diskussion.

Dualismus gilt als ein spezifisches Strukturmerkmal der Unterentwicklung, das hemmend für die Entwicklungs wirkt. Man spricht von ökonomischen, regionalen, technologischen und sozialem Dualismus.

Ökonomischer und technologischer D.: Nebeneinander von kapitalistisch organisierten, kapitalintensiven, meist exportorientierten und vom Auslandskaptial beherrschten modernen Sektor und eines traditionellen, mit privitiver Technik arbeitenden und nur lose an den nationalen Güter- und Geldmarkt angebundenen Subsistenzsektor. In den zwei getrennten Wirtschaftssystemen werden für gleiche Leistungen werden unterschiedliche Entgelte bezahlt. Im traditionellen Sektor: substitutionale Produktionsfunktion, reichlich Arbeit, arbeitsintensive Produktionsweise. Im modernen Sektor limitationale Produktionsfunktionen, d. h. Faktoreinsatzverhältnisse sind nur in engen Grenzen varierbar oder fix. Die zur Verfügung stehenden Produktionsverfahren sind relativ kapitalintensiv. Damit hoher Kapitalbedarf pro zusätzlichen Arbeitsplatz.

Regionaler oder räumlicher D.: Zweiteilung des Landes in industrialisierte Zentren und dem infrastrukturell nur schwach erschlossenen Hinterland.

Sozialer und kultureller D.: Gegensatz zwischen den besitzenden Klassen und der besitzlosen Masse, zwischen Wolkenkratzern und Hütten an den Stadtperipherien, zwischen westlich gebildeter Eleite und den analphabetischen Minderheit. Gegensazt zwischen dem importierten westlichen Sozialsystem und dem traditionellen Sozialsystem (Religion, Tabus, Brauchtum, Familie, Sippe)

Strukturelle oder technologische Arbeitslosigkeit wird verschärft durch staatliche Mindestlöhne. Beschäftigungslose Arbeitskräften verbleiben oder wandern in traditionellen Sektor. Dort Überschuß an Arbeitskräften -> abnehmende Grenzproduktivität der Arbeit, versteckte Arbeitslosigkeit. 

Dualismus

kapitalistisch organisiert Subsistenzproduktion
moderne Technik primitive Technik
hohe Produktivität niedrige Produktivität
kapitalintensiv arbeitsintensiv
exportorientiert lokale Versorgung
hohe Einkommen niedrige Einkommen
westliche Kultur traditionelle Kultur
Stadt Land

Entwicklung für die Dualismustheoretiker: Überwindung des Dualismus durch die Ausbreitung des modernen Sektors, Durchkapitalisierung, Verdrängung des traditionellen Sektors.

Kritik der Dependenztheoretiker am Dualismuskonzept


Literatur: Nohlen, Dieter/Nuscheler, Franz (Hrsg.), Handbuch der Dritten Welt, Grundprobleme, Theorien, Strategien, (3. Auflage) Bonn 1993, S. 42f.; Nuscheler, Lern- und Arbeitsbuch ..., S. 151