Entwicklungsökonomie – Grundlagen

2.1 Die Fragestellung 2.2 Klima und Modernisierung 2.3 Kondratieff und Schumpeter 2.4 Religion - Max Weber 2.5 Stufentheorien 2.6 Psychologie

2.3 Kondratieff - Die Theorie der langen Wellen

Industrielle Revolutionen:

  • Die erste begann im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und wurde von der Baumwollindustrie (auf der Grundlage des Fabriksystems), der Eisenerzeugung (auf der Grundlage der Kohle) und Watt´s Dampfmaschine getragen.
  • Der Beginn der zweiten industriellen Revolution mit den Führungssektoren Eisenbahn und Stahl läßt sich auf die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts datieren.
  • Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bewirken Elektrizität, Verbrennungsmotor und neue chemische Produkte eine dritte Industrialisierungswelle, deren auslaufende Schubkraft mit den 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts von einem neuerlichen vierten Innovationsschub überlagert wird,
  • der sich durch Mikroelektronik, Kommunikationstechnik, Laser-, Robot-, Bio und Werkstofftechnologie inhaltlich bestimmen ließe. (Röpke, Vierte industrielle ....1987)
  • Nikolai D. Kondratieff (1926) hat als erster nachgewiesen, daß wirtschaftliche Entwicklung sich in langen, 40 - 60 Jahre andauernden Schwingungen vollzieht. Diese nach ihm genannten Zyklen werden von Basisinnovationen getragen. Dampfmaschine, Eisenbahn, die Elekrifizierung, das Automobil, Informationstechnik sind Beispiele für Basisinnovationen. Führerschaft bei Basisinnovationen geht historisch einher mit politischer und wissenschaftlicher Spitzenposition von Nationen.

    Kondratieff-Zyklen: Wellen mit einer Periodizität von 40 – 60 Jahren, "lange Wellen", benannt nach N.D. Kondratieff (1926).

    "Investitionen in die Durchsetzung und Diffusion der Basisinnovationen des 5. Kondratieff – Informationstechnologie – machen in den entwickelten Volkswirtschaften 5,5, % der Gesamtinvestitionen aus. Aber sie sind für 35% des Wirtschaftswachstums und 55 % der Produktivitätssteigerung verantwortlich" (Röpke, Der lernende Unternehmer, S. 10)

    Leo A. Nefidiow ist einer der bekanntesten Vertreter der Theorie der langen Wellen und gilt als deiner der angesehensten Vordenker der Informationsgesellschaft. Er ist seit 1965 in der Forschung, Entwicklung und Anwendung der Informationstechnologie tätig, daneben war er Berater des Bundesministerums für Forschung und Technoligie und anderen nationaler und internationaler Institutionen. Nefidiow arbeitet seit 1974 im GMD-Forschungszentrum Informationstechnik in Sankt Augustin bei Bonn. 1990 erschien sein Buch "Der fünfte Kondratieff. Strategien zum Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft", in der er die Schlüsselrolle des Informationssektors für den gegenwärtigen und zukünftigen weltweiten Strukturwandel aufzeigt.

    In seinem Buch "Der sechste Kondratieff" beschreibt Nefidiow, wie der Einstieg in den nächsten großen Konjunkturzyklus aussehen könnte. Fünf Bereiche kommen dafür in Frage: Information, Umwelt, Biotechnologie, Optische Technologien, Gesundheit.


    Schumpeter: Innovationen

    Schumpeter, Josef Alois, 1883 – 1950, österreichischer Nationalökonom, 1919 österreichischer Finanzminister, 1925 – 32 Professor in Bonn, set 1932 an der Harvard University, "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1912). Für Schumpeter spielt der  Unternehmer, der Innovationen durchsetzt, eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung.

    Wirtschaftstheorie geht normalerweise von einem Gleichgewichtszustand aus. Schumpeter fragt dagegen, wie kann der Gleichgewichtszustand ändern, warum vollzieht sich "wirtschaftliche Entwicklung"?

    a) stetiges Wachstum, besonders der Bevölkerung und des Apparates an produzierten Produktionsmitteln

    b) außerwirtschaftliche Ereignisse, wie Naturerreignisse, soziale Umwälzungen, politische Eingriffe

    c) "dadurch, daß manche Individuen über wirtschaftliche Erfahrung und die erprobte und gewohnte Routine hinausgreifend in den jeweils gegebenen Verhältnissen des Wirtschaftslebens neue Möglichkeiten erkennen und durchsetzen. "

    "Im Erkennen und Durchsetzen neuer Möglichkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet liegt das Wesen der Unternehmerfunktion."

    (Schumpeter unterscheidet zwischen Kapitalisten und Unternehmern. Kapitalisten sind die Eigentümer am Kapitalstock, Unternehmer müssen nicht unbedingt Kapitalisten sein. Es ist ein funktionale Definition: Die Funktion, was Neues durchzusetzen.)

     "Im Erkennen und Durchsetzen neuer Möglichkeiten auf wirtschaftlichen Gebiet liegt das Wesen der Unternehmerschaft. Diese wirtschaftliche Führerschaft betätigt sich also mit Aufgaben, die sich in die folgenden Typen fassen lassen:
    1. Die Erzeugung und Durchsetzung neuer Produkte oder neuer Qualitäten von Produkten,
    2. Die Einführung neuer Produktionsmethoden,
    3. Die Schaffung neuer Organisationen (Vertrustung z.B.),
    4. Die Erschließung neuer Absatzmärkte,
    5. Die Erschließung neuer Bezugsquellen.

    Immer handelt es sich um die Durchsetzung einer anderen als der bisherigen Verwendung nationaler Produktivkräfte, darum, daß diesselben ihren bisherigen Verwendungen entzogen und neuen Kombinationen dienstbar gemacht werden."

    Schumpeter: Unternehmer, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4. Auflage, 1928, S. 483

    Was haben Neuerungen mit wirtschaftlicher Entwicklung zu tun?