Corporate Social Responsibility and Corporate Citizenship

   Lern- und Lehrseiten    © zell 09.04.2014

2.1 CC. Warum CC jetzt? 2.2 Bürgerschaftliches Engagement 2.3 Was ist neu? 2.4 Unterschiede CSR und CC 2.5 Nutzen und Vorteile  

2.2 Bürgerschaftliches Engagement

Was ist bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen?

„Bürgergesellschaft“ oder „Zivilgesellschaft“ sind Begriffe, die in den letzten Jahren in Politik, Wissenschaft und in den Medien immer öfter zu hören sind. Mit ihnen hängt auch der Begriff des Bürgerengagements zusammen. Gemeint ist, dass sich die Menschen aktiv als Bürger für das Gemeinwohl engagieren und dort Verantwortung übernehmen.

Bei „Bürgerengagement“ denkt man natürlich zuerst an die Übernahme von Ehrenämtern und freiwilligen Aufgaben, z.B. bei Sport- und Kulturvereinen, bei der freiwilligen Feuerwehr, in der Kommunalpolitik, im Prüfungsausschuss der IHK und der Handwerkskammer oder in der Kirchengemeinde. Diese weitgehend unbezahlt geleisteten Tätigkeiten haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung: In Deutschland entspricht diese Arbeitsleistung einem zeitlichen Volumen von mehr als einer Million Vollzeitbeschäftigten! [Braun & Kromminga, 2002, S. 6]. Bürgerengagement ist also recht gut verankert und ist insofern nichts Neues.

Sie sagen: Es ist ja schön, dass sich so viele Menschen in ihrer Freizeit in ehrenamtlichen Tätigkeiten engagieren. Aber was hat das mit meinem Unternehmen zu tun? Ein Unternehmen zu führen, ist eine ernste Sache: Es muss wirtschaftlich arbeiten, um sich gerade in schwierigeren Zeiten am Markt zu behaupten. Da ist kein Raum für Gefühlsduselei. Sie können also zu Recht kritisch fragen: Sollen Unternehmen überhaupt soziale Verantwortung übernehmen?

Dazu Stimmen aus der Wirtschaft:
„Ich bin davon überzeugt, dass die Übernahme sozialer Verantwortung auch unternehmerischen Nutzen produziert. ... Auf jeden Fall verstärkt die Übernahme sozialer Verantwortung die Glaubwürdigkeit und Kompetenz eines Unternehmens.“ Dr. Torsten Oletzky, Mitglied des Vorstand der Hamburg-Mannheimer-AG. [zitiert nach: Braun & Kromminga, 2002, S. 8]

Dr. Dietrich H. Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) anlässlich der Pressekonferenz einen Tag vor Wiedereröffnung von Schloss Neuhardenberg im Mai 2002:
„Ich sehe mit großer Sorge den Wandel der ganzheitlichen Unternehmens-Identität weg von diesen Aufgaben hin zu einer verengten Diskussion um Unternehmenswert und Shareholder Value. Die Folge ist, dass ethische und soziale Werte immer weniger beachtet werden. Mit unserem Engagement für Schloss Neuhardenberg wollen wir das Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung stärken. Hier werden wir die geistige Auseinandersetzung mit den Grundströmungen unserer Zeit führen.“

Bob Schout, Personalberater aus Chicago, über Corporate Citizenship in den USA:
"Wer ein guter Corporate Citizen ist, verbessert seine Beziehungen zu seinen Stakeholdern. Und das ist absolut nützlich fürs Geschäft. Vielleicht noch nicht so vor 40 Jahren, aber im heutigen Informationszeitalter umso mehr. Wer als CEO mit Tunnelblick nur Business als Business betrachtet schießt sich in den Fuß. Wer gesellschaftliches Engagement ablehnt, handelt kurzsichtig." [Wirtschaftswoche Nr.45, 2.11.2000]

„Bürgerschaftliches Engagement“ wird zunehmend auch in Deutschland von Unternehmen praktiziert. Dabei übernimmt ein Unternehmen, das sich als „Corporate Citizen“ begreift, die Rolle eines „Bürgers“, und führt mit anderen Akteuren gemeinsame Projekte durch, um wünschenswerte Entwicklungen des Gemeinwesens zu unterstützen [Braun & Kromminga, 2002, 61f.].

Abbildung 4. Personen und Unternehmen als Bürger