Corporate Social Responsibility and Corporate Citizenship  
2.1 CC. Warum CC jetzt? 2.2 Bürgerschaftliches Engagement 2.3 Was ist neu? 2.4 Unterschiede CSR und CC 2.5 Nutzen und Vorteile  

2.1  Warum CC gerade jetzt?

Wesentliche Ursache für die wachsende Bedeutung der Themen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind die wachsenden Umweltprobleme und das dadurch gestiegene Umweltbewusstsein. Hinzugekommen sind gerade in den letzten Jahren weitere Veränderungen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Boden für bürgerschaftliches Engagement in Form von CC-Projekten bereiten:

Fritz Schamma, Oberbürgermeister von Köln: „Es hat mich tief beeindruckt, wie Menschen dieser Stadt ihre Hilfe anbieten. Sie lassen Brunnen sprudeln, bewahren ein Wildgehege vor der Schließung, übernehmen Patenschaften und vieles mehr.“ [Kölner Stadt-Anzeiger, 23.5.2003]

Hinzu kommt, dass die Öffentlichkeit die gegenwärtig praktizierte Politik der Regierung und der Parteien immer kritischer sieht. Die Menschen verlieren allmählich das Vertrauen in die Politiker, auf die gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit eine Antwort geben zu können. 

Die Folge: Unter den neuen Gegebenheiten ändert sich die Funktion des Staates. In dem Maße, wie der Staat die Fähigkeit verliert, gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse effizient zu steuern, wächst die Notwendigkeit, die staatlich gesetzte Ordnung durch Selbstregulation und Selbstkontrolle von nichtstaatlichen Einrichtungen aus Wirtschaft, Politik und Kultur zu ergänzen. 
Zur Lösung bestimmter gesellschaftlicher Aufgaben entstehen zwischen Wirtschaft und Staat neue Formen der Zusammenarbeit. Dazu gehören bürgerschaftliche Initiativen, die flexibel auf einzelne Regionen und den jeweiligen Sozial- und Wirtschaftsbereich abgestimmt sind. 
Diese machen den Staat nicht überflüssig, sondern ergänzen ihn hilfreich in seiner Ordnungsfunktion [Habisch, 2003, S. 18, 37].

Abbildung 3. Bürgerschaftliche Initiativen ergänzen die Ordnungsfunktion des Staates

Bereitschaft zur Zusammenarbeit besteht auf beiden Seiten: 

Wie Vereinbarungen im Rahmen der Zivilgesellschaft gesetzliche Maßnahmen überflüssig machen können, zeigt das folgende Beispiel.

„Deutscher Corporate Governance Kodex“.
Immer wieder wird die Höhe der Managervergütungen von Aktionären und in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert. Warum sollten etwa die Aktionäre als Eigentümer einer Aktiengesellschaft nicht wissen, welche Gehälter die Vorstandsmitglieder beziehen? Hierzu wurden im Mai 2003 von einer Expertenrunde im Rahmen eines „Deutschen Corporate Governance Kodex“ strengere Regeln vereinbart. Aus Sicht der Bundesregierung werden damit entsprechende Gesetzesverschärfungen überflüssig: „Die Selbstregulierungskräfte der Wirtschaft waren erfreulicherweise stark genug, sich auf die Offenlegung der Vorstandsgehälter zu verständigen“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Die Beschlüsse der Expertenrunde führten zu noch mehr Transparenz und damit zu einer weiteren Verbesserung des Anlegerschutzes. [FAZ, 23. Mai 2003, S. 15]